Die Junkers F13 ist zurück in Dessau

Anlässlich des 13. Hugo-Junkers-Festes am Verkehrslandeplatz Dessau wird der historische Nachbau einer der berühmtesten Entwicklungen von Prof. Hugo Junkers erwartet – die Junkers F 13.

JUNKERS Flugzeugwerke AG F 13

Das Flugzeug ist weltweit die einzige flugfähige Maschine dieses Typs und wurde von der Idee bis zur Zulassung in mehr als zehn Jahren anhand von originalen Bauplänen und Laservermessungen an Museumsflugzeugen originalgetreu nachgebaut. Nach erfolgreicher Flugerprobung wurde sie Anfang des Jahres endgültig zum Verkehr zugelassen. Der Ausflug von der Schweiz in die Geburtsstätte Dessau gilt als einer der ersten Überlandflüge nach der Verkehrszulassung und nach Recherchen ist es das erste Mal seit 75 Jahren, dass eine Junkers F 13 wieder in Dessau landet.

Pilotiert wird die Maschine von Kurt Waldmeier, dem Chef der Schweizer Ju-Air, sowie Dieter Morszeck, dem Initiator und Investor des Junkers F 13 Nachbaus. Prominente Gäste in der geschlossenen Fluggastkabine werden dabei der Enkelsohn von Prof. Hugo Junkers, Bernd Junkers mit seiner Ehefrau Gudrun sein. Er beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Historie seines Großvaters und ist besonders stolz darauf, dass mit dem Flugzeug ein Stück lebendige Geschichte in die Junkers-Stadt Dessau zurückkehrt. Nächstes Jahr jährt sich der Jungfernflug der Junkers F 13 „Annelise“ zum einhundertsten Mal – Grund genug, dem Flugzeug auch den historischen Namen „Annelise 2“ zu geben.

Die Maschine wird am Freitag, den 18. Mai nachmittags erwartet, und wird am Wochenende bis Sonntagvormittag am Boden und in der Luft zu sehen sein. Geplant sind neben Einzelvorführungen auch ein Formationsflug mit der Junkers Ju 52 der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung. Für einen Mitflug in der Junkers F 13 müssen sich interessierte Luftfahrtfreunde allerdings noch etwas gedulden – Rundflugtickets gibt es an diesem Wochenende nur für die Junkers Ju 52.

Am Freitagabend wird es um 18:00 Uhr in der großen Halle des Technikmuseum Hugo Junkers, welches sich nur wenige Minuten vom Flugplatz entfernt befindet, einen Fachvortrag von Bernd Huckenbeck geben. Als technischer Projektleiter berichtet er detailliert mit Bild- und Filmmaterial über die Entstehungsgeschichte der neuen Junkers F 13 von der Idee bis zur Zertifizierung.

Für technisch Interessierte nachstehend weitere Informationen zur Junkers F 13: Die Junkers F 13 galt in ihrer Ganzmetallbauweise als Revolution und Wegweiser für die zivile Nutzung von Luftfahrzeugen. Das Flugzeug wurde ein Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte. Um die Junkers F 13 flugfähig nachzubauen, galt es, einige Hürden zu nehmen. So zum Beispiel beim Erlernen längst vergessener Bauweisen und Technologien wie der Handhabung des Wellblechs. Weiterhin gab es zu vielen Bauteilen keine Zeichnungen oder Baupläne mehr. Mit Hilfe von Lasertechnik wurde eines der wenigen erhaltenen Originale der Junkers F 13 exakt vermessen.

Zugeständnisse an moderne Technik gab es nur in wenigen Bereichen, beispielsweise beim Fahrwerk. Dort werden nun Bremsen und hydraulische Stoßdämpfer eingebaut. Das Originalfahrwerk besaß keine Bremse, die Maschine wurde nur durch einen Schleifsporn am Rumpfende abgebremst. Als Federung arbeiteten einst einfache gebündelte Gummibänder. Auf der Suche nach einem verfügbaren, zuverlässigen und alltagstauglichen Antrieb hat man sich für einen 9-Zylinder Sternmotor mit 450 PS der Firma Pratt & Whitney entschieden. Dieser Motor wird heute noch weltweit in Verkehrsmaschinen eingesetzt. Derartige Sternmotoren fanden früher schon in einigen Junkers F 13 Versionen Verwendung. Positiver Nebeneffekt des neuen Antriebsaggregats: Es verleiht dem Flugzeug genügend Kraft und im Vergleich zum ca. 300 PS starken Originalmotor einen willkommenen Leistungsüberschuss.

Eine weitere Herausforderung war der Erstflug. Es gab keinen Piloten aus vergangenen Tagen, der etwas über die Flugcharakteristika hätte sagen können. Dennoch verlief alles glatt und man war sogar überrascht über die gutmütigen Flugeigenschaften der Maschine. Für die Zulassung des Flugzeuges galt es ebenfalls große Hürden zu nehmen. Alte Bauvorschriften galt es zu überprüfen und Verfahren zur Anerkennung an neue Gesetzesvorlagen zu finden. Dank gilt an dieser Stelle allen Beteiligten aus dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZ).

Die Maschine ist seit ihrem Erstflug im Jahr 2016 auf großes nationales und internationales Interesse gestoßen. Auf der kürzlich in Friedrichshafen stattgefundenen Messe AERO war die Maschine das am meisten fotografierte Flugzeug. Gegenwärtig befinden sich bereits weitere Junkers F 13 im Rohbau. Bei der Neuanfertigung werden Kundenwünsche, insbesondere bei der Wahl der Innenausstattung und Instrumentierung, berücksichtigt. Der Basispreis für das Luftfahrzeug liegt bei 2,5 Mio. Euro zzgl. Mehrwertsteuer.

Die Lieferzeit wird ab Bestelldatum ca. 1 1⁄2 Jahre betragen. Als Gegenwert erhalten die neuen Flugzeugbesitzer aber nicht nur ein Stück Luftfahrtgeschichte, sondern gleichzeitig ein exzellent gebautes Ganzmetallflugzeug mit rund 35.000 Nieten und ca. 60.000 Einzelteilen, die in feinmechanischer Handwerkskunst zusammengefügt wurden.