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Junkers Bosch

Goldene Zwanziger

Letzte Zeit für Experimente bei Junkers & Co: Die goldenen Zwanziger

Bei Junkers & Co. begeht Obermeister Otto Knick am 30. Mai 1917 sein 25jähriges Arbeitsjubiläum. Das Werk hat inzwischen seine Produktion und sein Sortiment deutlich ausgeweitet.

Zum Beispiel fertigt die Firma am 4. Oktober 1918 ihre 3000. Feldküche für das deutsche Heer. Zu Beginn der 20er Jahre stellen die Junkerswerke ihre Produktion teilweise um. Neben dem Standardprogramm der Gasdurchlauferhitzer und Kalorimeter werden nun auch Metallschränke sowie Aluminiumkoffer, Wellblechsessel, Essbestecke und andere Haushaltsgeräte gefertigt.

1923 wird das Versuchshaus "Am Horn" des Staatlichen Bauhauses in Weimar mit Warmwasser-Apparaturen durch die Firma "Junkers & Co" ausgestattet. Hugo Junkers besucht die Bauhaus-Ausstellung "Kunst und Technik - eine neue Einheit". 1926 stattet Junkers & Co. das neu errichtete Bauhausgebäude und die Meisterhäuser mit Heizungsanlagen und Warmwasser-Apparaturen aus. Hugo Junkers ist Ehrengast bei der Einweihung des Dessauer Bauhausgebäudes am 4. Dezember und wird "Förderndes Mitglied im Kreis der Freunde des Bauhauses". Zugleich beginnt er sich allgemein für bautechnische Stahlanwendungen zu interessieren. Im Kaloriferwerk richtet Junkers später eine separate "Abteilung Stahlbau" ein, in der Hallen und Brücken gefertigt werden. Als besonders ökonomisch bewähren sich dabei die Hallen in Stahl- Lamellenbauweise. Gebäude dieser Art entstehen in der Folge in zahlreichen Ländern, darunter Brasilien, Italien, die Türkei und die Sowjetunion.

 

In einer "Zentralen Lehrwerkstatt" werden ab 1927 in den Junkerswerken in Dessau alle in den Werkstätten benötigten Grund- und Spezialberufe ausgebildet. Die Kurse werden in Verbindung mit anderen Bildungsträgern der Stadt wie der Volkshochschule auf hohem fachlichen Niveau durchgeführt, so dass die praktische und pädagogische Werkstattausbildung auch staatlich anerkannt wird.

Unterdessen stellt Junkers auf der Werkbund-Ausstellung in Stuttgart mit ihrer von namhaften europäischen Architekten gestalteten Weißenhof-Siedlung seine Heizungs- und Warmwasser-Gasgeräte mit einer speziell für diese Schau entwickelten Reform-Kücheneinrichtung aus. Auf dem Experimentiergelände der Werkbund-Ausstellung wird zugleich das Junkers-Stahlhaus "System Urban" vorgestellt.

Am 12. Oktober 1927 stellt die Firma Junkers & Co. den 500.000. Gas-Warmwasser-Apparat her. Am 15. September präsentiert Junkers & Co. ihr erstes vom Bauhaus entworfenes Reklameheft, das Lucia Moholy gestaltete. Der Bauhaus-Architekt Carl Fieger projektiert im privaten Bauatelier von Walter Gropius einen Theaterneubau, eine Kongress- und Stadthalle sowie einen Museumsneubau, deren gewölbte Dachkonstruktionen in Junkers-Stahllamellen-Bauweise ausgeführt werden soll. Junkers beginnt sich intensiv mit der Problematik des standardisierten Metallhausbaues zu beschäftigen, deren Anfänge sich bis in das Jahr 1904 zurückverfolgen lassen. Nach einer intensiven Grundlagenforschung entsteht ein umfangreiches Entwurfsprogramm von Metallhaustypen, das weltweit für alle Klimazonen anwendbar ist.

Den Höhepunkt ihres Erfolges hat die Ico zu diesem Zeitpunkt bereits überschritten. Die goldenen Zwanziger neigen sich auch für Junkers dem Ende zu: Die wirtschaftliche Lage wird schwieriger - und mit ihr die politische.