Kopfzeile

Junkers Bosch

Junkers' Abschied

Mit der Krise kommen die Nazis: Junkers' Abschied

Am 23. September 1930 erhält Professor Hugo Junkers einen mehrseitigen Drohbrief der NSDAP, in dem seine ethischen und demokratischen Ansichten als Weltbürger verworfen werden. Im Jahr darauf zwingt die Weltwirtschaftskrise die Junkers-Werke zu einem Gläubigervergleich.

Zur Umverteilung der Kosten gründet Junkers in Dessau und Chemnitz weitere Firmen. Trotz steigendem politischem und wirtschaftlichem Druck gibt Junkers weiterhin innovativen Projekten Raum: So projektiert das Bauhaus unmittelbar am Flugplatz unter der Leitung der Architekten Ludwig Mies van der Rohe und des Stadtplaners Ludwig Hilberseimer eine Junkers-Siedlung, die in ihrer sozial-kulturellen und städtebaulichen Gliederung auf dem Gebiet des Neuen Bauens richtungsweisend ist und internationale Maßstäbe setzt.

Mit Wirkung vom 22. März 1932 müssen die Junkerswerke schließlich "die Zahlungen einstellen und das gerichtliche Vergleichsverfahren beantragen". Junkers entschließt sich zu einem schmerzhaften Schritt: Am 1. November verkauft er Junkers & Co., sein Stammwerk und wirtschaftlich bester Betrieb, an die Robert Bosch AG. Auch wenn der Käufer das Unternehmen unter dem gleichen Namen weiter führt, gehen mit dieser Entscheidung doch 37 Jahre Firmengeschichte zu Ende. Die Hoffnung, durch den Verkauf und die Gründung weiterer, neuer Tochterunternehmen wenigstens die anderen Firmenteile weiterführen zu können, wird allerdings enttäuscht.

Zwei Tage nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 fordert das Reichskommissariat für Luftfahrt von Professor Junkers die Übertragung aller seiner Patente ohne finanzielle Gegenleistung. "Unter dem Zwang der Umstände" - zeitweilig werden Familienangehörige und enge Mitarbeiter unter "Schutzhaft" gestellt - unterschreibt Junkers am 2. Juni den Übertragungsvertrag mit dem Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Wenig später wird er zum Ausscheiden aus seinen Betrieben gezwungen und darf sie nicht einmal mehr betreten. Am Ende des Jahres 1933 kann sich Hugo Junkers nur noch unter polizeilicher Aufsicht in seinem festgesetzten Wohnort Bayrischzell bewegen und wird schließlich quasi unter Hausarrest gestellt. Bis zu seinem Tod am 3. Februar 1935 entstehen noch einige Patente im Bereich Metallhausbau und der Ausstattung mit Mobiliar, Klimaanlagen und Raumdurchleuchtung.