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Grundlage einer Revolution im Bad: Das KalorimeterWarmes Wasser zu jeder Tages- und Nachtzeit - was für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist, war noch im 19. Jahrhundert praktisch unbekannt. Wer ein heißes Bad nehmen wollte, musste erst einmal umständlich Wasserkessel auf Holz- oder Kohleöfen erhitzen. Erst der Gasbadeofen von Hugo Junkers lieferte ab 1895 warmes Wasser nach Bedarf und direkt aus der Leitung.Dabei hatte Junkers ursprünglich ganz anderes im Sinn: Einen Gasmotor wollte er bauen, gemeinsam mit Wilhelm von Oechelhaeuser junior in der neu gegründeten Versuchsstation für Gasmotoren. Doch um Konstruktionen berechnen und Versuche auswerten zu können, musste er den Heizwert des verwendeten Gases kennen. Anders als heute schwankte die Qualität von Gas damals stark. Somit konnte Junkers nicht wissen, ob eine Leistungssteigerung an seinem Motor auf eine verbesserte Konstruktion zurück zu führen war oder lediglich auf einen höheren Heizwert des Gases. Seine Lösung war überraschend einfach - und von weit reichender Bedeutung, wie sich zeigen sollte: Junkers ließ einen Flüssigkeitsstrom an der Gasflamme vorbei ziehen, dessen Temperatur und Geschwindigkeit er genau messen konnte. Daraus ließ sich direkt der Heizwert ermitteln. Sein Ingenieur Wergien setzte diese Idee in eine Gerätekonstruktion um, und Klempnermeister Knick baute schließlich den ersten Prototyp, das Kalorimeter. Goldmedaille in ChicagoDas Gerät funktionierte tatsächlich zuverlässig und Junkers erntete großes Lob aus der Fachwelt für seine elegante Lösung. 1892 meldete er das Kalorimeter als erstes eigenes Patent an. Auf der Weltausstellung in Chicago gewann er damit ein Jahr später sogar eine Goldmedaille. Allerdings gelang es Junkers nicht, die Erfindung auch wirtschaftlich erfolgreich auszunutzen - die Nachfrage nach einem solchen Messgerät war schlicht zu gering.Doch Junkers erkannte, dass sich das Prinzip, einen Wasserstrom durch eine Gasflamme zu erhitzen, auch in der Warmwasserbereitung nutzen ließ. So entstand der erste Gasbadeofen, eine abgewandelte Konstruktion des Kalorimeters mit Armaturen und höherer Leistung. Das Gerät ließ er 1894 als Flüssigkeitserhitzer patentieren. Die Gasflamme brennt dabei frei in einer hohen Verbrennungskammer. Das erzeugt ausreichend Auftrieb, um die heißen Gase durch lamellenförmige Röhren zu führen, die auf der Außenseite von Wasser umspült werden. Der Flüssigkeitserhitzer bildete den Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Modellen, die Junkers laufend weiterentwickelte. Anfangs handelte es sich noch um einen großen Standofen, der das warme Wasser nur an Ort und Stelle lieferte. Bald jedoch kamen kleinere und verbesserte Modelle mit Wandbefestigung hinzu. Eine Versorgung entfernter Teile des Hauses wurde möglich, indem eine Automatik die Gasflamme abhängig vom Wasserstrom regelte. Mit der Serienfertigung schließlich machte Hugo Junkers Gasbadeöfen für praktisch jeden Haushalt erschwinglich. Damit legte er den Grundstein für die moderne Warmwasserversorgung. Auch heute noch beruhen Durchlauferhitzer auf dem Prinzip, das Hugo Junkers ursprünglich als Messgerät erdacht hatte. Linktipp: Historische Entwicklung des Gasbadeofens [aus Junkers Nachrichten 1926 Heft No. 2] |
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