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Hugo Junkers und das BauhausDas Jahr 1925 brachte Hugo Junkers in innigen Kontakt zu einer deutschen Kunstrichtung, die mit dem Namen des Bauhauses verbunden ist. Dazu gehörten Künstler wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy, Georg Muche, Herbert Bayer und Joost Schmidt sowie Architekten wie Walter Gropius, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer. Im Frühjahr 1925 übersiedelte das Bauhaus von Weimar nach Dessau, dort herzlich empfangen von einem Kreis von Freunden, darunter auch Hugo Junkers.Hans Maria Bongers, zu diesem Zeitpunkt leitender Betriebskaufmann des Junkers-Luftverkehr und einer der geistigen Väter der heutigen Deutschen Lufthansa, schrieb in seinen 1971 veröffentlichten Lebenserinnerungen: "Wir Junkersleute engagierten uns natürlich sofort. Das Bauhaus war Fortschritt, es brachte neue Ideen. Das war auch unser Element. Vielleicht war für die Wahl Dessaus nicht ganz ohne Einfluss, dass hier Professor Junkers wirkte und ein fortschrittliches und großzügiges Klima herrschte. Dessau wurde nun erst recht für viele zum Mekka." Eine Einschätzung, die auch Ise Gropius (1897-1983) am 21. März 1925 in ihrem Tagebuch festhielt: "G. von Dessau zurück. Situation scheinbar gerettet. Die Industrie nach vielen Mühen gewonnen. Vor allem Junkers, der sich sehr für den ganzen Bauhausplan interessiert und gleich überlegt hat, wie man praktisch zusammenarbeiten kann." Es war Junkers' Aufgeschlossenheit für neue Ideen, die ihn in enge Verbindung mit dem Dessauer Bauhaus brachte. Er wurde Mitglied des Kreises der Bauhausfreunde, und zwischen Junkers-Leuten und Bauhaus-Leuten knüpften sich bald nähere Beziehungen. So installierte die Firma Junkers & Co im Bauhaus-Versuchshaus am Horn 1923 die entsprechenden Warmwasser-Apparaturen. Auf das Wirken des Bauhauses aufmerksam geworden war Junkers spätestens durch Friedrich Peter Drömmer (1889-1968, ein expressionistischer Maler, der bereits 1919 im Bauhaus im Weimar mit seinem Kieler Malerfreund Karl Peter Röhl (1890-1975) tätig gewesen und seit 1923 in den Junkerswerken als Werbefachmann angestellt war. Er war es, der 1924 eines der berühmtesten Markenzeichen der Welt, den stilisierten fliegenden Menschen als Wahrzeichen der Junkes-Werke, entwarf. [Mehr zum Corporate Design bei Junkers] Mit Drömmer war Junkers nicht nur durch gemeinsame Verehrung für die Malerei des Expressionismus und der technikorientierten Kunst verbunden, sondern auch durch das Bemühen, für die Massenprodukte Dessaus ein Design zu entwickeln, das hohen ästhetischen Ansprüchen genügte. Modernes Design sollte nicht nur die Metallflugzeuge von Junkers auszeichnen, sondern auch die Inneneinrichtung seiner ab 1925 entstandenen Verkehrsgroßflugzeuge wie der G 31. So konnte der Bauhaus-Jungmeister Marcel Breuer (1902-1981) ab 1925 in den Junkers-Betrieben seine ersten Stahlrohrmöbel entwickeln und fertigen, die in abgewandelter Form auch in den Junkers-Verkehrsflugzeugen verwendet wurden. Ein Beispiel ist der Breuer-Kufenhocker "B 9", mit dem die Bauhauskantine 1926 die erste Stahlrohrbestuhlung der Welt erhielt. "Heute mehr wie je brauchen wir den höchsten Grad von Fähigkeiten", analysierte Breuer die Zusammenarbeit mit Junkers. "Also, entweder ein und dieselbe Person, ein guter Künstler und ein guter Techniker in Vereinigung, was höchstens ausnahmsweise möglich; oder: Der gute Künstler arbeitet mit dem guten Techniker zusammen. Um eine Idee zu fassen, braucht man kein technisches Können oder Wissen. Um diese Idee zu entwickeln, braucht man technisches Können und Wissen." Diese Aussage bestätigte Walter Gropius in seinem Aufsatz in der Zeitschrift "Die Form", Nr. 6 vom März 1926, den er mit der Frage titulierte: Wo berühren sich die Schaffensgebiete des Technikers und Künstlers? Der Expressionismus und von die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit des Bauhauses strahlten eine enorme Faszination auf Junkers aus. Bereits 1924 hatte Junkers einen Ideenwettbewerb für das Hochhausprojekt Tempelhofer Feld in Berlin ausgelobt und dabei mit dem unter seiner Protektion entwickelten Lamellendach neue konstruktive und gestalterische Akzente in die Methoden des Leichtbaues eingebracht. Er fühlte sich hier in vielfacher Weise durch die Ideen von Walter Gropius, der Brüder Wassili und Hans Luckhardt mit Alfons Anker, aber auch durch die amerikanischen Architekten Albert Kahn, Richard Buckminster Fuller und andere angeregt und herausgefordert. Allgemein lässt sich feststellen, dass Junkers den Ideen des Bauhauses gerade im Metallbau besonders nahe war. So weisen die Junkers-Stahl-Lamellenkonstruktion und die Junkers-Stahlblech-Paneelbauweise mit ihrer klaren funktionalen und material-minimierten Bauart frappierende Parallelen zu einigen Bauhaus-Vorkursarbeiten aus dem Unterricht von Josef Albers auf. Die Begegnung mit Künstlern des Bauhauses und dessen Umfeld schloss auch die Berührung und Auseinandersetzung mit ihrer Weltanschauung und Gesinnung ein. Drömmer holte im April 1929 seinen Freund Dr. Adolf Dethmann (1896-1979) nach Dessau, der Hugo Junkers zweieinhalb Jahre lang als Privatsekretär diente und einer seiner vertrautesten Berater wurde. Junkers kam durch seine Verbindung mit dem Bauhaus in Kontakt und Austausch mit Intellektuellen, die sich im politischen Spektrum der Weimarer Republik eindeutig links empfanden. Was immer man dem Dessauer Großindustriellen nachsagen konnte, Berührungsängste zeichneten ihn nicht aus. Zwar nahm er das Weltbild der linken künstlerischen Avantgarde nicht angenommen, doch spiegelte es sich zumindest in seiner zunehmenden Hinwendung zu sozialen Fragen wider. Es war sicherlich alles andere als ein Zufall, dass im selben Jahr, als das Bauhaus nach Dessau übersiedelte, Junkers am 8. November 1925 erste Überlegungen für den Bau rationeller Wohnhäuser in seinem Tagebuch skizzierte. Das entsprach sowohl dem Zeitgeist scheinbar gefestigten Wohlstandes, als auch der Art und Weise, wie Junkers lang erworbene Forschungserfahrungen auf ein neues Gebiet ausdehnte, das des Metallwohnhauses. Seine Überlegungen gingen dahin, einen neuen Werkstoff in die Architektur einzuführen, der billiges, schnelles und qualitativ hochwertiges Bauen erlaubte. Die von ihm entworfenen Gebäude sollten alle Vorzüge des seinerzeit bekannten Wohnkomforts vereinen. Sie zielten überdies - weit ihrer Zeit voraus - auf erstklassige Isolierung, Wärmedämmung und die Nutzung von Sonnenenergie. Offenbar durch das Wirken des Bauhauses inspiriert, konzipierte man in den Junkers-Werken auch eine neue Art der Innenausstattung der Wohnungen. In einer 1930 verfassten Denkschrift hieß es dazu: "Die neue Zeit hat die Form der Gebrauchsgegenstände außerordentlich stark gewandelt. Die Ansichten über Wohnhygiene, Lebensart und -gewohnheiten haben sich grundsätzlich geändert. Bei aller Gärung ist bereits erkennbar das Verlangen nach Klarheit, Sachlichkeit und Verzicht auf komplizierte Zierformen. Metallhaus und Metallrohrmöbel sollten ein neues Leben und Wohnen ermöglichen." Zweifelsohne war der Junkers-Metallhausbau führend. 1925 lag er bereits über dem Durchschnitt aller in den dreißiger und vierziger Jahren gebauten Metallhäuser in Europa und den USA. Junkers' prinzipielle Überlegungen im Hausbau gingen zwar mit den Architekturauffassungen des Bauhauses durchaus konform, und auch in der Innenausstattung gibt es frappierende Parallelen. Doch im Baumaterial, im temporären Bereich, in Fragen der Umweltbeeinflussung und im bauwirtschaftlichen Bereich schieden sich die Geister. Auch hier war Junkers seiner Zeit voraus: Er setzte auf erstklassige Isolierung, Wärmedämmung, optimale Lichtverhältnisse im Inneren, vornehmlich mit natürlichen Lichtquellen, und die Verwertung billiger Sonnenenergie im Haus. Die zahlreichen Entwürfe der verschiedensten Hausvarianten und seine ausgeführten Versuchsmetallhäuser in Junkers-Stahlblech-Paneelbauweise sprechen für sich. Ab Herbst 1930 erarbeiteten Bauhäusler unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer im Auftrag von Hugo Junkers an einem Stadtteilprojekt. Für 20.000 Einwohner sollte in Flugplatznähe am Rande des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches eine Junkersstadt entstehen - ein Projekt, das vom Konzept und in städtebaulicher Hinsicht seiner Zeit weit voraus war. Durch die Schließung des Bauhauses ab 1. Oktober 1932 und die Vertreibung Hugo Junkers aus den Dessauer Stätten seines Wirkens am 18. Oktober 1933 fand diese Zusammenarbeit ein jähes Ende. |
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