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Hugo Junkers
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Krise, Nazis, Hausarrest: Die letzten Jahre

1931
Die Weltwirtschaftskrise zwingt die Junkers-Werke zu einem Gläubigervergleich. Zur Umverteilung der Kosten gründet Junkers in Dessau und Chemnitz weitere Firmen.

Am 14. März startet in Dessau-Großkühnau die erste europäische Flüssigkeitsrakete.

Der Jumo-Schweröl-Flugmotor FO 4, spätere Bezeichnung Jumo 204, wird am 12. April auf dem Flugplatz Tempelhof in verbesserter Form vorgestellt. Dieser Motor setzt mit einem Gewicht von nur 750 kg und einer Leistung von 750 PS neue Maßstäbe. Sein ungewöhnlich geringer Brennstoffverbrauch erlaubte einen um fast 50% vergrößerten Flug-Aktionsradius.

Mit einer Junkers A 50 Junior ortet der Pilot Brehmer im Auftrag der isländischen Heringsfischerei Fischschwärme im Atlantik. Ab 1. Juli wird die Junkers G 38 im ständigen Liniendienst der Lufthansa auf der Strecke Berlin - Amsterdam - London eingesetzt. Dagegen setzt die Reichswehr das Jagdflugzeug Junkers K 47 aus dem Erprobungsprogramm, da sich Professor Junkers nicht den gewünschten "militär-technischen Forderungen" unterordnen will. Am 2. Oktober startet das neuentwickelte Forschungs-Höhenflugzeug Junkers Ju 49 mit dem Piloten Diplom-Ingenieur Hoppe zu seinem Erstflug. Mit dieser Maschine werden in der Folgezeit mehrere Rekorde geflogen und die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen für den sogenannten Stratosphärenflug geschaffen.

Das Bauhaus projektiert unmittelbar am Flugplatz unter der Leitung der Architekten Ludwig Mies van der Rohe und des Stadtplaners Ludwig Hilberseimer eine Junkers-Siedlung, die in ihrer sozial-kulturellen und städtebaulichen Gliederung auf dem Gebiet des Neuen Bauens richtungsweisend ist und internationale Maßstäbe setzt.

1932
Mit Wirkung vom 22. März müssen die Junkerswerke "die Zahlungen einstellen und das gerichtliche Vergleichsverfahren beantragen". Die gerichtlich eingesetzten Treuhänder beurkunden am 8. November den Junkerswerken ihre Solidität und ein hohes wissenschaftlich-technisches Know-how, aber auch ihre Illiquidität. Bereits am 1. November verkauft Hugo Junkers deshalb sein Stammwerk und wirtschaftlich besten Betrieb, Junkers & Co., an die Robert Bosch AG. Daneben gründet Junkers weitere Tochterunternehmen in Dessau und Roßlau. Bauhaus-Architekten unter der Leitung des Städteplaners Ludwig Hilberseimer erarbeiten für die Junkers-Werke neue Industriestandorte im Umfeld der Stadt Dessau mit einer entsprechenden Infrastruktur.

Die Flugzeugentwicklung geht derweil unvermindert weiter. Schon am 7. März startet eine Junkers Ju 52/3mde mit der Werk-Nr. 4008. Sie ist für Bolivien bestimmt. Bald darauf werden weitere Exemplare dieser dreimotorigen Passagierflug-Variante der Ju 52 ausgeliefert. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen entwickelt sich das Modell anstelle der einmotorigen Fracht-Version zur erfolgreicheren Variante. Aufgrund ihrer hohen technischen Parameter wird die Ju 52/3m schnell zum Standardtyp der Deutschen Lufthansa und zahlreicher ausländischer Fluggesellschaften. Alle bisherigen flugtechnischen und konstruktiven Erfahrungen, die in den Junkerswerken gesammelt wurden, sind in diesem neuen Flugzeugtyp vereint. Beim Internationalen Flugmeeting in Zürich wird am 25. August die Junkers Ju 52/3m als Sieger gekürt. Mit einer Neuentwicklung, der Junkers Ju 60, einem Schnell-Verkehrsflugzeug, wird zur Verringerung des Luftwiderstandes die Glattblechbauweise bei Junkers eingeführt. Am 8. November startet die Junkers Ju 60 V1 zu ihrem Erstflug.

1933
Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar. Zwei Tage später fordert das Reichskommissariat für Luftfahrt von Professor Junkers die Übertragung aller seiner Patente ohne finanzielle Gegenleistung. "Unter dem Zwang der Umstände" unterschreibt Junkers am 2. Juni den Übertragungsvertrag mit dem Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Insgesamt sind es 106 Patentschriften, die Luftfahrt und den Motorenbau betreffend. Familienangehörige und enge Mitarbeiter von Professor Junkers wurden zeitweilig unter "Schutzhaft" gestellt, um ihn gefügiger zu machen.

Am 15. Oktober wird Hugo Junkers von den Nationalsozialisten für die geplante Aufrüstung als politisch unzuverlässig angesehen und unter Androhung eines Landesverratsprozesses zum Ausscheiden aus diesen Betrieben gezwungen. Das Reichsluftfahrtministerium erhält ohne Gegenwert 51% der persönlichen Junkers-Aktien. Professor Junkers darf die Stätten seines Wirkens, die Stadt Dessau und seine Betriebe, nicht mehr betreten. Gleichzeitig ist ihm jeglicher Kontakt zu außenstehenden Personen, auch zu einem Teil der Familienangehörigen, untersagt. Als Aufenthaltsort ist Bayrischzell und München festgelegt. Dort muss er sich unter ständiger Polizeiaufsicht bewegen. Mit Wirkung vom 24. November hat Junkers auch seine Funktion im Aufsichtsrat der IFA und Jumo niederzulegen. Diese Ämter übernimmt Heinrich Koppenberg, ehemaliger Direktor des Flick-Konzerns.

Im Junkers Flugzeug- und -Motorenwerk (JFM) beginnt währenddessen im Rahmen eines "Programms für Arbeitsbeschaffung" der Großserienbau von Junkers Ju 52/3m, W 33 und W 34 für militärische Zwecke. Auftraggeber ist Hermann Göring als Reichsminister für Luftfahrt. Gleichzeitig beginnt der systematische und großangelegte Ausbau der JFM-Werke zu einem der größten und modernsten Rüstungsbetriebe der Welt.

1934
Durch das Verbot, sich weiterhin mit dem Flugzeugbau zu beschäftigen, widmet sich Junkers nun ganz dem Metallhausbau und dessen Ausstattung mit Mobiliar, Klimaanlagen und Raumdurchleuchtung. Dazu gründet er in München die "Forschungsanstalt Professor Hugo Junkers GmbH". Er betreibt Grundlagenforschung zu Problemen von industriell gefertigten Metallhäusern im Montagebau. Mithilfe typisierter und standardisierter Stahlkonstruktionen, die er bis zur Patentreife entwickelt, entwirft Junkers eine Serie von Metallbauten u.a. von Stahlhochhäusern in der Größenordnung eines Mega-Habitats. Einen wesentlichen Teil seiner Patentanmeldungen lässt er von nun an auf den Namen seiner Ehefrau Therese oder anderer Familienmitglieder eintragen.

Ausgerechnet an seinem 75. Geburtstag, am 3. Februar, erhält er durch den Oberstaatsanwalt Lämmler weitere Beschränkungen auferlegt, die einer Haftstrafe gleichen. Er steht von nun ab unter ständiger Begleitung eines Kriminalbeamten der Gestapo.

Am 18. August vereinbart er mit seiner Frau eine amtsgerichtliche Gütertrennung, um so die Familie zu schützen. Kurze Zeit danach erkrankt er an einem Gallenleiden, das einen chirurgischen Eingriff in einer Münchner Klinik notwendig macht. Bereits während seines Sanatoriumsaufenthalts in Murnau in Oberbayern entwickelt Professor Junkers neue Ideen. Als eines seiner letzten Patente entsteht eine Arbeit über die "Einrichtung zur Raumbeleuchtung mit Tages- und künstlichem Licht, insbesondere mit beiden Lichtarten gleichzeitig", DRP-Nr. 631 798.

1935
Am 3. Februar, seinem 76. Geburtstag, stirbt Hugo Junkers in seinem Haus in Gauting bei München. Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit findet am 9. Februar auf dem Münchner Waldfriedhof die Beisetzung statt. Der Münchner Bildhauer Professor Bernhard Bleeker gestaltet 1940 das Grabmal von Hugo Junkers. Es zeigt Ikarus im Fluge und in Begleitung mehrerer Adler mit dem Spruch: "Näher dem Adler - Näher der Sonne - Näher den Sternen".

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9. Februar 2010

75. Todestag von Hugo Junkers
Ein merkwürdiges Staatsbegräbnis fand am 9. Feb. 1935 am Münchner Waldfriedhof statt. Angeordnet hatte dieses prunkvolle Begräbnis Reichskanzler Hitler persönlich. Sein Stellvertreter Rudolf Hess legte nun einen Kranz an dem Grab ausgerechnet des Mannes nieder, der vorher monatelang als Staatsfeind verfolgt und um sein Lebenswerk gebracht worden war...
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Die Junkers-Werke in Dessau waren bekannt vor allem für Flugzeugproduktion und Warmwassertechnik. Wie kaum ein anderer deutscher Konzern standen sie in den 1920er Jahren für technische Innovation und die Zusammenarbeit mit Künstlern und Intellektuellen. Darunter waren auch viele Vertreter des Bauhauses, das seit 1926 ebenfalls in Dessau ansässig war

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