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Zwischen Boom und Wirtschaftskrise:
Junkers' Firmenimperium
1924
Im Motorenwerk geht der Flugmotor L 2 mit einer Leistung von 265 PS in Serie, während im
Flugzeugwerk die Junkers G 23, das erste dreimotorige Junkers-Verkehrs-flugzeug, entsteht.
Am 27. Mai wird die Junkers-Luftbild-Zentrale in Dessau gegründet. Schwerpunkt bildet die
Luftbildvermessung und geologische Erkundung aus der Luft. Das Unternehmen ist ab 1928 auf
dem Flugplatz Leipzig-Mockau angesiedelt.
Studie und Projekt eines Nurflügelflugzeuges Junkers J 1000 für 80 bis 100 Reisende mit einer
Flug-Reichweite von 1.700 Kilometer.
Von Mai bis Juli reist Professor Junkers zum zweiten Mal in die USA. Er schlägt Henry Ford das
Projekt einer interkontinentalen Fluglinie London - New York vor, doch Henry Ford lehnt ab.
Im Kaloriferwerk entsteht eine separate "Abteilung Stahlbau", in der Hallen und Brücken
gefertigt werden. Als besonders ökonomisch bewähren sich dabei die Hallen in Stahl- Lamellenbauweise.
Gebäude dieser Art entstehen in der Folge in zahlreichen Ländern, darunter Brasilien, Italien,
die Türkei und die Sowjetunion.
1925
Junkers verstärkt sein Engagement im Ausland. So entsteht in Malmö-Limhamn, Schweden, die
"A.B. Flygindustri" (AFI); in New York wird die Firma "Junkers Corporation of America" (Jucoram)
in das Handelsregister eingetragen; in Ankara und Eskischehir gründet Junkers die
"Türkische Flugzeug & Motoren AG". Im Zweigwerk Fili bei Moskau dagegen stellt Junkers seineTätigkeit ein.
Die Universität Gießen ernennt Professor Junkers zum Ehrendoktor. In den Junkerswerken sind zu dieser
Zeit nach Angaben des Personalamtes 5000 Mitarbeiter beschäftigt.
Der L 5-Flugmotor wird zugelassen und seine Leistung später von 310 PS auf 425 PS gesteigert.
Aufgrund seiner Zuverlässigkeit setzt er sich schnell im Flugzeugbau durch.
Im Flugzeugwerk fertigt der Bauhäusler Marcel Breuer gemeinsam mit dem Schlossermeister
Karl Körner die ersten Stahlrohrmöbel.
1926
Aus dem Zusammenschluss der "Junkers-Luftverkehr AG" und der "Deutschen Aero-Lloyd" entsteht
auf Weisung der Reichsregierung am 6. Januar die "Deutsche Luft-Hansa AG".
Zwischen den Stadtteilen Siedlung, Kleinkühnau und Alten nördlich der Eisenbahnlinie nach Köthen
wird der neue Junkers-Flugplatz eingeweiht. In der Folgezeit werden dort über 28 Flugweltrekorde
aufgestellt. Das Junkers-Zweigwerk Flugzeugbau in Fili bei Moskau wird der Sowjetunion übergeben.
Hertha Junkers fliegt am 17. Dezember mit einer Junkers F 13 von New York nach Kill Devil Hill,
bei Kitty Hawk in Nord Carolina. Sie besucht dort auch die historischen Stätten der Gebrüder Wright.
Die Firma Junkers & Co stattet das neuerrichtete Bauhausgebäude und die Meisterhäuser mit
Heizungsanlagen und Warmwasser-Apparaturen aus. Zudem wird am 4. Juni im Junkers Kaloriferwerk eine
"Abteilung Stahlbau" gegründet. Im August entsteht dann die erste Großhalle in Lamellenkonstruktion
mit einer Länge von 80 m und einer Spannweite von 20 m. Am 4. Dezember ist Hugo Junkers als
"Förderndes Mitglied im Kreis der Freunde des Bauhauses" Ehrengast bei der Einweihung des
Dessauer Bauhausgebäudes.
1927
Die Junkerswerke errichten in Dessau eine "Zentrale Lehrwerkstatt" für alle in den Werkstätten
benötigten Grund- und Spezialberufe. In Verbindung mit anderen Bildungsträgern der Stadt, z.B.
der Volkshochschule, gelingt es, die Kurse auf hohem fachlichen Niveau durchzuführen.
Auf diese Weise wird die praktische und pädagogische Werkstattausbildung auch staatlich anerkannt.
Im März startet das Junkers-Großflugzeug G 31 einen 5000 km-Werbeflug durch Europa. Dabei werden
u.a. Wien, Rom, Barcelona, Teheran und Angora angeflogen. Vom 21.-22. März werden mit einer
Junkers W 33 zwei neue Weltrekorde über Nutzlast und Flugstrecke aufgestellt. Zwischen dem 1. April
und 10. Juli fliegt allein die Junkers G 24 vierzehn Weltrekorde. Am 14. August starten zwei
Junkers W 33, die "Bremen" und "Europa" zu einer Nordatlantik-Überquerung in Ost-West-Richtung.
Wegen starken Unwetters müssen beide Besatzungen wieder umkehren. Mit insgesamt 33 Flugweltrekorden
kann das Jahr 1927 trotzdem als das erfolgreichste Jahr für den Junkers-Flugzeugbau bezeichnet werden.
Die Junkers F 13 gilt noch immer als das meistverkaufte Flugzeug.
Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wird der erste eigens für den Lastwagenbetrieb entwickelte
Junkers-Dieselmotor Zweizylinder Typ SA 9 mit einer Leistung von 45 PS der Öffentlichkeit vorgestellt.
Als Nachfolgemodell entsteht danach der Junkers-Diesel Dreizylinder Typ SA 12 mit 80 PS Leistung.
Der Raumheizer "Junkers-Gasradiator" wird unter den von Junkers erarbeiteten Forschungskriterien
einer "Gebrauchswert-Kostenanalyse" innerhalb weniger Wochen entwickelt und in die Produktion überführt.
Auf der Werkbund-Ausstellung in Stuttgart mit ihrer von namhaften europäischen Architekten gestalteten
Weißenhof-Siedlung stellt Junkers seine Heizungs- und Warmwasser-Gasgeräte mit einer speziell für diese
Schau entwickelten Reform-Kücheneinrichtung aus. Zur gleichen Zeit wird auf dem Experimentiergelände der
Werkbund-Ausstellung das Junkers-Stahlhaus "System Urban" vorgestellt. Am 12. Oktober stellt die
Firma Junkers & Co. den 500.000. Gas-Warmwasser-Apparat her.
Die Firma Junkers & Co. präsentiert am 15. September ihr erstes vom Bauhaus entworfenes Reklameheft,
das Lucia Moholy gestaltete. Der Bauhaus-Architekt Carl Fieger projektiert im privaten Bauatelier von
Walter Gropius einen Theaterneubau, eine Kongress- und Stadthalle sowie einen Museumsneubau, deren
gewölbte Dachkonstruktionen in Junkers-Stahllamellen-Bauweise ausgeführt werden sollten.
1928
Am 12./13. April fliegt erstmals eine Junkers W 33, die "Bremen", erfolgreich von Europa nach Nordamerika.
Hugo Junkers wird Ehrenbürger der Städte Dessau, Aachen und seiner Geburtsstadt Rheydt. In Dessau wird
eine Straße nach ihm benannt, die Technische Hochschule Aachen ernennt ihn zum Ehrensenator.
Auf seiner dritten Amerikareise führt Junkers unter anderem Gespräche mit dem Industriellen Henry Ford
und dem Architekten Albert Khan.
Durch Aktienankauf wird Junkers der Hauptaktionär der "Dessauer Möbelfabrik A.G." (Möfa) und lässt
dort Windkanalmodelle sowie Inneneinrichtungen in Holz und Metall nach eigenen Entwürfen für den
Haus- und Flugzeugbau fertigen. Junkers beginnt sich intensiv mit der Problematik des standardisierten
Metallhausbaues zu beschäftigen, deren Anfänge sich bis in das Jahr 1904 zurückverfolgen lassen.
Nach einer intensiven Grundlagenforschung entsteht ein umfangreiches Entwurfsprogramm von
Metallhaustypen, das weltweit für alle Klimazonen anwendbar ist.
1929
Professor Junkers wird korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften
in Berlin und Ehrensenator der Technischen Hochschule Karlsruhe. Am 3. Februar, seinem 70. Geburtstag,
eröffnet er im Naturkundemuseum Dessau seine "Lehrschau", ein technisches Forschungs-Museum in Form
einer Schule für Neuerungen. Junkers wird Mitglied des Kuratoriums für die Gedenkfeiern des jüdischen
Philosophen Moses Mendelssohn, dem u.a. Albert Einstein, Walter Gropius, Max Liebermann und
Arnold Zweig angehörten. Therese Junkers und Luise Hesse, Gattin des Dessauer Oberbürgermeisters,
gründen den Verein der Deutschen Frauen-Luftfahrt-Patenschaften, dessen Ziel es ist, den Luftfahrtgedanken
in die emanzipierte Frauenbewegung einzubringen.
Der erste betriebsbereite Junkers-Gegenkolben-Schweröl-Flugmotor, der FO 4, besteht am 3. Februar
seinen Flugtest mit einer Junkers F 24. Mit einer Junkers W 34 erreicht der Pilot Neuenhofen am 26. Mai
eine Flughöhe von 12.739 m und stellt damit einen neuen Welthöhenrekord auf. Auf der Elbe bei Dessau
werden im Juli raketentechnische Versuche mit einer Junkers W 34 w durchgeführt. Die Versuche verlaufen
erfolgreich und Junkers entschließt sich, die Entwicklung von Flüssigkeitstriebwerke einzuleiten.
Am 9. November startet die viermotorige Junkers G 38, das größte Landflugzeug der damaligen Zeit,
zu seinem ersten Versuchsflug.
1930
Zwischen dem amerikanischen Ford-Unternehmen und den Junkers-Werken kommt es zu Patentstreitigkeiten,
da die Firma Ford entgegen internationaler Rechtssprechung permanent Junkers-Patente,
speziell im Flugzeugbau, verletzt.
Die Junkers G 38, Kennung D-2000, stellt am 10. April mit den Piloten Zimmermann und Schinzinger
sechs Weltrekorde in Geschwindigkeit, Entfernung und Dauer auf. Vom 4.-18. Juni startet die Junkers G 38
mit dem Chefpiloten Zimmermann und Flugkapitän Otto Brauer zu einem Europa-Rundflug, der eine
hohe internationale Resonanz findet. Der Junkers-Pilot Grundke stellt im Juni mit dem
Sportflugzeug A 50 Junior acht Rekorde auf. Mit dem Prototyp des Jagdzweisitzers K 47 werden
in Schweden in Abstimmung mit der Reichswehr Erprobungen im Sturzflug durchgeführt. Die dabei
entwickelte neuartige Sturzflug-Bremsvorrichtung wird erst am 4. Juli 1933 zum Patent angemeldet.
Auf dem Dessauer Flugplatz finden am 11. und 16. September die ersten Probeflüge der einmotorigen
Junkers Ju 52, Werk-Nr. 4001, statt. Mit dieser Maschine schafft Ernst Zindel nicht nur eines
der bekanntesten und meistgefertigten Flugzeuge der Welt, sondern auch eine der sichersten und
zuverlässigsten Konstruktionen im Flugzeugbau.
Am 23. September erhält Professor Hugo Junkers einen mehrseitigen Drohbrief der NSDAP, in dem ihm
seine ethischen und demokratischen Ansichten als Weltbürger vorgeworfen werden.
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