Kopfzeile

Junkers Bosch

Toleranz und Freiheit in Dessau

Hugo Junkers war nicht nur Technikforscher und Unternehmer, sondern hat sich intensiv mit humanitären, sozialen, politischen kulturellen und pädagogischen Problemen seiner Zeit auseinander gesetzt. Die Stadt Dessau hatte Hugo Junkers dazu die passenden Rahmenbedingungen, die Toleranz und Freiheit geboten, technische Visionen zu entwickeln und zu realisieren und es war besonders diese Aufbruchstimmung, diese Offenheit gegenüber der Moderne, die auch das Bauhaus nach Dessau gelockt hatte.
Versetzen wir uns doch in die Zeit der Zwanziger Jahre zurück: Die Monarchie war zusammen gebrochen, die Schrecken des ersten Weltkrieges hatten sich tief in des Bewusstsein der Menschen eingeprägt und die Autorität der neuen Obrigkeit war nach wie vor brüchig.
Auch mit der häuslichen Autorität von Hugo Junkers war es nicht zum Besten bestellt. Der Patriarch bemühte sich zwar redlich, seinen 12 Kindern jene Selbstzucht anzuerziehen, die einen wichtigen Kern seiner Anthropologie ausmachte. Jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.

Prof. Junkers mit Frau und Kindern in seinem Landhaus in Bayrischzell
Prof. Junkers mit Frau und Kindern in seinem Landhaus in Bayrischzell

Die bereits zitierte Schriftstellerin Larissa Reissner, die auch die Familie Junkers besucht hatte, beschrieb das so:

„Bei ihm zu Hause herrscht die wahre Hölle. Wenn irgendein Assistent mit einem Papier zur Unterschrift kommt, ist es ein Problem, einen Winkel zu finden, wohin die lebensfreudigen Stimmen der prachtvollen, sich selbst erziehenden Kinder nicht dringen, von Kindern, die so wachsen, wie es ihrer inneren Logik als Kindermodelle entspricht. Ein ernsthaftes Gespräch bei Tisch ist einfach undenkbar. Immer wird sich ein minderjähriges Individuum bei Tisch finden, dem die ganze Situation außerordentlich komisch vorkommt. Und es wird auf dem weisen Haupt seines Erzeugers einen Wildentanz aufführen.“

Professor Junkers mit seiner Tochter Gudrun
Professor Junkers mit seiner Tochter Gudrun

Das Haus der Junkers in der Albrechtstrasse galt als offen, überaus lebendig und diskutierfreudig. Freunde der Kinder waren immer willkommen und ihrem Einfluss ist es im wesentlichen zuzuschreiben, dass sich  drei der älteren Kinder von Hugo Junkers, und zwar Herta, Klaus und Anneliese, in ihrer Jugend zu linksintellektuellen, kommunistischen Ideen hingezogen fühlten und über einige Jahre auch dazu bekannten.

Prof. Junkers mit einem seiner Kinder auf den Schultern
Prof. Junkers mit einem seiner Kinder auf den Schultern

Drei ihrer Freunde mit linksintellektueller kommunistischer Vergangenheit sollten in späteren Jahren in den Junkers-Werken eine wichtige Rolle spielen und die Entscheidungen von Hugo Junkers erheblich beeinflussen. Es handelte sich erstens um Peter Drömmer, einem expressionistischen Maler aus der Künstlerszene Kiels, den Hugo Junkers 1923 als späteren Leiter in der Junkers-Propaganda einstellte. Peter Drömmer entwarf das Junkers-Zeichen mit dem fliegenden Menschen, pflegte intensive Kontakte zum Bauhaus und heiratete 1933 die Junkers-Tochter Anneliese. Ihm folgte der Schriftsteller Richard Blunck als Mitarbeiter in der Propagandaabteilung. Richard Blunck verfasste später eine bedeutende Junkers-Biographie. Dr. Adolf Dethmann als Dritter wurde zunächst von Hugo Junkers als Privatsekretär berufen, übernahm dann leitenden Stellen im Konzern und wurde ein sehr enger Vertrauter von Hugo Junkers.

Bernd Junkers