Forscher und Unternehmer in einem

Wo Zweifel fehlt, kann auch kein wissenschaftliches Denken sein

Was Hugo Junkers auf technischen Gebieten hervorbrachte und was unter seiner leitenden Regie entstand, das waren zumeist langlebige Spitzenleistungen, die thermotechnisches, triebwerktechnisches und flugtechnisches Denken weltweit verändert haben.

In der deutschen Literatur zur Technikgeschichte ist oft nach den Ursachen für die Junkers'schen Erfolge gefragt worden. Wenden wir uns deshalb im historischen Rückblick einigen wesentlichen Grundlagen seiner Erfolge als Unternehmer zu.

Eine für Junkers typische Vorgehensweise, die sich als stabiles Erfolgskonzept erweisen sollte, war die bereits beschriebene permanente Verknüpfung von technischer Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie die Überleitung ihrer Ergebnisse in die Entwicklung und Fertigung von Erzeugnissen auf hohem Qualitätsniveau. Dem entsprach seine kritische Einstellung gegenüber Althergebrachtem: Wo Zweifel fehlt, kann auch kein wissenschaftliches Denken sein.
Technische Endgültigkeit bezweifelte Junkers prinzipiell, folglich akzeptierte er auch nicht die technischen Entwicklungszustände seiner Zeit. Diese Sichtweise ermöglichte es ihm, jedes technische Ding, so vollkommen es zunächst auch erscheinen mochte, nur als Zwischenresultat in einem andauernden Schöpfungsprozess zu betrachten, der in logischer Folge eine Neuerung an die nächste reiht und auf diese Weise kontinuierlich von niederen zu höheren Entwicklungsstufen führt.

Junkers hat seinen Forschungen alles andere untergeordnet. Die Absatzerfolge seiner Erzeugnispalette hatten vor allem die Funktion, die finanziellen Mittel für den ununterbrochenen Forschungsfortgang zu erbringen.
Damit waren gravierende Wirkungen auf das innerbetriebliche Leistungsniveau verbunden. Im Jahre 1924 hatte sich die international bekannte Schriftstellerin Larissa Reißner aus der einstigen Sowjetunion in Dessau aufgehalten, die Junkers-Betriebe besucht, Forschungs- und Arbeitsabläufe studiert und später die gewonnen Eindrücke beschrieben:
„Bei all seiner Vollkommenheit erinnert das Junkers-Werk eher an eine Universität … denn an eine Fabrik.“ (1924)

Bernd Junkers