Das Ende

Wirtschaftskrise, Weltkrieg, Enteignung, Arrest

Die Ju 52 war der letzte große Wurf von Hugo Junkers gewesen. Die Weltwirtschaftskrise hatte auch auf die Junkers-Werke in Dessau ihre Schatten geworfen und den Absatz einbrechen lassen. Die Nationalsozialisten drangen an die Macht. Professor Junkers wollte dem Rat seiner Direktoren, die Forschungsausgaben den gesunkenen Einnahmen anzupassen, nicht folgen. Für ihn war, wie wir wissen, die Forschung die wichtigste Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit. Die Banken sahen das anders und verweigerten weitere Kredite. Es kam zu heftigen Zerwürfnissen mit seinen Direktoren, zu Intrigen und zu Entlassungen und, fast zwangsläufig, Mitte 1932, zur Zahlungsunfähigkeit und zu Vergleichsverhandlungen.

Nur durch den Verkauf des Gasbadeofenwerkes, seiner Cashcow, an Bosch im November 1932 konnte Hugo Junkers die Zahlungsfähigkeit seiner Flugzeug- und Motorenwerke, der Forschungsanstalt und der übrigen Firmen und die Unabhängigkeit und Alleinentscheidung wieder herstellen. Das konnte seinen Neidern und Feinden nicht recht sein. In Anhalt hatten die Nationalsozialisten bereits die Macht übernommen und in Berlin wurde unter Hermann Göring die Enteignung von Junkers vorbereitet und sofort im März 1933 nach der Machtergreifung durchgezogen. Für sie war er ein Demokrat, ein Liberaler, der Juden und ehemalige Kommunisten in leitenden Stellungen beschäftigte, der für die Freiheit der Forschung eintrat und das Flugzeug als Mittel der Völkerverständigung betrachtete. Die Nationalsozialisten aber brauchten seine Flugzeug- und Flugmotorenwerke, damals führend in der Welt, für ihre Aufrüstung. Hugo Junkers wurde unter Anwendung der neuen „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ in einem Geheimverfahren unter Hausarrest gestellt und unter Androhung eines Landesverratsprozesses zur Übereignung seiner Flugzeug- und Flugmotorenwerke an das Reich gezwungen.

Hugo Junkers als Leiter der "Forschungsanstalt Professor Junkers GmbH" in München (1934)
Hugo Junkers als Leiter der "Forschungsanstalt Professor Junkers GmbH" in München (1934)

Er durfte die Stadt Dessau und seine Firmen nicht mehr betreten und starb am 3. Februar 1935, seinem 76. Geburtstag in Gauting bei München. Hugo Junkers, der sich bewusst für die friedliche und völkerverbindende Rolle des Luftverkehrs eingesetzt hatte, musste es nicht mehr erleben, dass nur wenige Jahre später Flugzeuge aus seinen Werken und unter dem Namen JUNKERS als verheerende Kriegswaffen missbraucht, zu tragischer Berühmtheit gelangen sollten.

Ausschnitt aus einem Brief der NSDAP an Junkers aus Günter Schmitt, Hugo Junkers – Ein Leben für die Technik, Aviatic Verlag 1991, S.313
Ausschnitt aus einem Brief der NSDAP an Junkers aus Günter Schmitt, Hugo Junkers – Ein Leben für die Technik, Aviatic Verlag 1991, S.313