Heinrich Junkers - 121. Todestag am 17.11.2008

Nr. 11 [Dezember 2008]

Der 16. November 1887 sollte der verhängnisvollste Tag im Leben des 64jährigen Fabrikanten und Verpächter Heinrich Junkers werden. An diesem Tag ging er seinem liebsten Hobby nach - der Jagd. Vermutlich wollte von den Unseligkeiten des Arbeitslebens Abstand nehmen. Nur 3 Tage zuvor hatte die Firma Göldner und Sieper & Memosen den Auszug aus den Fabrikhallen vorgenommen, was einen herben Verlust bei den Mieteinnahmen bedeutete.

Gerade die Finanzierung seines drittältesten Sohnes Hugo gestaltete sich dadurch nicht weniger schwierig. Dieser hatte sich an der Königlich Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg für die Richtungen Maschinenbau und Elektrotechnik immatrikuliert. Zudem assistierte Hugo dort Professor Adolf Slaby im Gasmaschinenbau, einem seiner späteren Förderer. Obwohl Max, sein Ältester, durchaus für gutgehende Geschäfte sorgte, konnte Heinrich Junkers nun auch den geplanten zweiten Dampfkessel nicht installieren lassen.

Nach solch herben Schlägen konnte die Jagd sicher eine willkommene Abwechslung für ihn sein. Angesichts seines für damalige Verhältnisse durchaus schon hohen Alters war eben dieser Jagdausflug wohl aber auch recht anstrengend. Am Abend kehrte er müde nach Hause zurück und begab sich zeitig ins Bett. Dabei drehte er wohl den Gashahn der Lampe über seinem Bett nicht richtig zu. Die Lampe erlosch zwar, aber es trat weiterhin etwas Gas aus. Genug allemal, um Heinrich Junkers eine tödliche Vergiftung beizubringen. Er starb am 17. November 1887. Jedem seiner sieben Söhne hinterließ er rund 29.000 Mark.

Heinrich Junkers als Webereibesitzer

Die Buben stammten aus erster Ehe mit der 4 Jahre jüngere Luise Vierhaus, welche er am 21. Mai 1855 im Alter von 32 Jahren geheiratet hatte. Zwei Jahre vorher war sein Vater Johann Peter Junkers gestorben und hatte seinen fünf Söhnen eine Textilmanufaktur hinterlassen, in der Baumwollwaren veredelt und auf Geschäftsreisen verkauft worden waren.

Der Ginker Hof in Rheydt-Morr, Pongserstraße 11, in dem Heinrich Junkers am 26. Mai 1823 geboren wurde

Nach seiner Eheschließung war Heinrich Junkers aus dem Familienbetrieb ausgetreten und hatte eine eigene Firma gegründet. In einem Mietsraum der "Maschinenfabrik von Wilhelm Schippers" in der Limitenstraße in Rheydt stellte er baum- und halbwollene Webwaren her und ließ sie von auswärtigen Appreteuren veredeln.

Heinrich Junkers als junger Unternehmer im Alter von ca. 30 Jahren

Seine Geschäfte liefen anfangs offensichtlich erfolgreich, denn Heinrich Junkers ließ für seine immer größer werdende Familie in der Hauptstraße 18 in Rheydt ein großes Wohnhaus errichten, dem sich ein großer Garten mit vielen Obstbäumen anschloss. Dort ließ Heinrich Junkers, der viel Wert auf die körperliche Ertüchtigung seiner Kinder legte, zahlreiche Turngeräte aufstellen.

Das Wohnhaus der Familie Heinrich Junkers in Rheydt

Heinrich Junkers Frau Luise, die von ihrem Mann als "fleißig, sehr sittsam, güthmütig und von edler Denkungsart" beschrieben wurde, war mit der Pflege und Erziehung ihrer sieben ungebärdigen Jungen - ein kleines Mädchen war im Alter von zwei Jahren gestorben - bald überfordert und erkrankte so schwer, dass sie sich von ihrer Familie trennen musste. Drei Jahre verbrachte sie mit kurzen Unterbrechungen in Sanatorien und Heilanstalten, bis sie im Jahre 1869 im Alter von nur 41 Jahren starb.

Hugo Junkers' Mutter Luise, geb. Vierhaus, die erste Frau von Heinrich Junkers

Vater Heinrich war beruflich zu sehr eingespannt und konnte sich in dieser Zeit nur wenig um seine Kinder kümmern, die oft ohne Aufsicht waren und sich von den Dienstboten auch wenig sagen ließen. Hugo Junkers schrieb später über diese Zeit in seinem Lebenslauf:
"Von den 7 Knaben ... war der eine noch wilder, unbändiger und trotziger als der andere, wozu der geringe Altersunterschied noch wesentlich beitrug. Der Streit untereinander dauerte von morgens früh bis Abends spät, dass sich die Nachbarn über das Geschrei beklagten. Unter diesen Umständen konnte es nicht Wunder nehmen, dass sich niemand leicht dazu hergeben wollte, bei solchen Kindern Haushälterin zu sein, obschon wir vom Vater anfangs sehr strenge gehalten wurden, besonders in Bezug auf Betragen, Rechtlichkeit, Anspruchslosigkeit, Einfachheit und Folgsamkeit, vor allem gegenüber den Dienstboten. Doch später glaubte er zu bemerken, dass diese strenge Erziehungsweise alle freien Regungen, selbständige Gedanken in den Kindern ersticke, und schlug nun den anderen Weg ein, dass er sie durchaus selbständig handeln und ihnen in allen, selbst den wichtigsten Dingen freien Willen ließ.
Da der Vater durch das Geschäft, welches unter der langwierigen Krankheit der Mutter übrigens sehr gelitten hatte, fortwährend in Anspruch genommen war, so standen wir Kinder unter der höchst mangelhaften Aufsicht der Dienstboten und nachher von Hauslehrern, welche aber wenig Einfluss übten."
Vier Jahre nach dem Tode seiner Frau Luise heiratete Heinrich Junkers die 49jährige Luise Pfaff, die sich der verwaisten Kinder mit viel Liebe und Verständnis annahm, so dass nun endlich wieder Frieden und Ruhe in das große Haus einziehen konnte.

Heinrich Junkers mit seiner zweiten Frau Luise, geb. Pfaff, und seinen sieben Söhnen Hugo, Otto, Max, Ernst, Carl (obere Reihe v. links nach rechts), Alex (unten links) und Justus (unten rechts) im Jahre 1880

Im Jahre 1880 ließ Heinrich Junkers eine eigene Weberei für 220 Webstühle errichten, die er teils selbst betrieb und teils vermietete. Außerdem betrieb er nebenher noch einen Ringofen, in welchem er Ziegel herstellen ließ.

Die Weberei von Heinrich Junkers in Rheydt

Die immer größere Ausweitung seines Geschäftes führte häufig zu finanziellen Engpässen in der Familienkasse "Ich habe wie Du denken kannst alle Hände voll zu thun und laufe abends trotz Regen und Sturm die Straßen ab, um für weniges Geld recht viel zu kaufen, da Papas Geldbeutel wieder das große Loch hat", beklagte sich Luise Junkers im Dezember 1880 bei ihrem Stiefsohn Hugo, der sich als Student an die Technische Hochschule Charlottenburg eingeschrieben hatte. Dieser gab seinem Vater einen Großteil Schuld an der finanziellen Situation der Familie:"Obschon Papa sehr fleißig und sparsam ist, so ist doch sein Erwerb nicht dementsprechend; er zersplittert seine Kräfte und Aufmerksamkeiten zu viel, hat zu gleicher Zeit 1000 Pläne im Kopf, außerdem versteht er nicht seinen Vorteil zu wahren, indem er manchmal auf Kleinigkeiten zu viel Sorgfalt verwendet, in wichtigen Sachen dagegen zu leicht nachgibt, sich gefällig erweist, kulant ist usw. Ackerbau, Waldbau, Gartenanlagen, Bau von Wohnungen, Ziegelei, jetzt noch ‚Fabrikräume zu vermieten' usw. usw., alles betreibt er zu gleicher Zeit, und bei alledem bekümmert er sich eigenhändig um die kleinsten Details. Was er nicht selbst macht und ausführt, das taugt alles nichts. Hier reißt er dem Arbeiter den Spaten aus der Hand, dort das Messer, keiner macht es ihm recht. Oft hat er mit eigenen Händen Steine aus dem Garten aufgelesen, und nicht nur für Augenblicke, nein, tagelang, nur weil er denkt, es könnte ein Stein liegen bleiben, der bei seiner Abwesenheit nicht aufgehoben würde, oder die Arbeiter würden nicht fleißig sein. Trotzdem wir ihm dies nun sehr häufig zum Vorwurf gemacht haben, wenn er abends todmüde und mit steifen Gliedern nach Hause kam, so ging er doch einige Tage darauf wieder an dieselbe Arbeit. Die Folge dieser zerstreuten rastlosen Tätigkeit ist dann eine stete Unruhe, Unzufriedenheit und Verdrossenheit" ... - und führte letztendlich seinen frühen Tod herbei. Den Aufstieg seines begabtesten Sohnes Hugo zu einem berühmten Forscher und erfolgreichen Unternehmer erlebte er leider nicht mehr.

Jan Christiansen