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25. Juni 1919: Erstflug der Junkers F 13 - Teil 2
[Kalenderblatt Nr. 24 vom Juni 2009]


«« Zurück zum ersten Teil des Artikels über die Junkers F 13.

Vor 90 Jahren erhob sich am 25. Juni erstmals ein kleines, sechssitziges Passagierflugzeug in die Luft, das den Flugzeugbau grundlegend revolutionierte und den Grundstein für den Aufbau eines Weltluftverkehrs legte - die Junkers F 13.

Ende Juni 1920 folgte noch ein weiterer Aufsehen erregender Flug. Auf der Strecke Omaha - Philadelphia blieb die mit Acosta, Larsen und dem Mechaniker Bugh besetzte JL-6 10 Stunden und 58 Minuten ununterbrochen in der Luft. Das war amerikanischer Rekord im Dauerflug und für ein einmotoriges Flugzeug mit dreiköpfiger Besatzung sogar Weltrekord. Nur eineinhalb Jahre später übertrafen Larsens Piloten Stinson und Bertaud mit einer JL-6 diesen Rekord sogar um das Doppelte: Am 29./30. Dez. 1921 legten sie die Rekordmarke nun auf 26 Stunden, 5 Minuten und 32 Sekunden und legten dabei eine Strecke von 4270 km zurück. Dieser Flug wurde offiziell als Weltrekord im Dauerflug anerkannt.


Diese Rekordflüge blieben nicht ohne Wirkung. Die amerikanische Post begann sich für dieses wirtschaftliche Flugzeug, das den amerikanischen Postflugzeugen weit überlegen war, zu interessieren. Nach einem spektakulären Transkontinentalflug mit drei JL-6 von New York nach San Francisco erwarb die Postbehörde achte Flugzeuge dieses Typs, weitere sechs erwarb das amerikanische Militär.


F 13
F 13 "Annelise" nach dem Höhenweltrekord


Der 26-Stunden-Dauerflugrekord hatte noch einen Kunden angelockt, dessen Name durch die Eroberung des Südpols bereits weltweit bekannt war: Roald Amundsen. Amundsen hatte berechnet, dass er damit vom Norden Alaskas über den Nordpol hinweg bis Spitzbergen fliegen könnte und erwarb ein solches Flugzeug, das er "Elisabeth" nannte. Zum Glück ging das provisorische Skifahrwerk der "Elisabeth" beim Probeflug zu Bruch, ein Flug über den Pol wäre sicher ein zu großes Wagnis gewesen. Dieser Meinung waren auch die Junkerswerke und rüsteten eine Hilfsexpedition mit einer F 13 aus, die von Spitzbergen aus Amundsen entgegenfliegen sollte. Nachdem Amundsen den Polflug abgesagt hatte, wagten sich der Junkerspilot Arthur Neumann und der Schweizer Pilot und Fotograf selbst in Richtung Pol, kehrten jedoch beim 83. Breitengrad wegen einer Motorstörung vorsichtshalber wieder um.


F 13 D-260 auf Spitzbergen
F 13 D-260 auf Spitzbergen


Inzwischen hatte das dem Versailler Vertrag folgende "Londoner Ultimatum" vom 5. Mai 1921 ein einjähriges Bau- und Exportverbot auch für Verkehrsflugzeuge zur Folge. Die für die USA bestimmten F 13 wurden beschlagnahmt, hinzu kamen einige Unfälle infolge eines noch unausgereiften Brennstoffleitungssystems, was dazu führte, das die USA als Absatzmarkt wegfiel.

Einige Unfälle in Amerika und Deutschland im ersten Einsatzjahr sowie eine große Anzahl vor dem Bauverbot hergestellte, aber nun nicht mehr absetzbare Flugzeuge führten bei den Junkerswerken zu der Überlegung, eigene Luftverkehrsstrecken einzurichten. Die Strecken sollten sowohl als Teststrecken zur Weiterentwicklung als auch als Nachweis der Wirtschaftlichkeit und Sicherheit der Flugzeuge dienen. Auf den Strecken der unter Beteiligung der Junkerswerke gegründeten "Lloyd Ostflug" beförderten die Verkehrsflugzeuge F 13 ohne weitere Zwischenfälle Passagiere von Berlin nach Königsberg und zurück. Die geplante Erweiterung bis Moskau kam nicht zustande, hingegen war die Ausdehnung nach Norden bald ein voller Erfolg. In Estland, Lettland, Schweden und Finnland wurden unter Beteiligung von Junkers Luftverkehrsgesellschaften gegründet, die anfangs fast ausnahmslos F 13 verwendeten. Auch der polnische Luftverkehr wurde anfangs überwiegend mit F 13 betrieben.


Prof. Junkers und der amerikanische Fliegergeneral Mitchell vor einer Danziger F 13
Prof. Junkers und der amerikanische Fliegergeneral Mitchell vor einer Danziger F 13


Nach den ersten Erfolgen in Osteuropa dehnten die Junkerswerke, die inzwischen eine eigene Abteilung Luftverkehr eingerichtet hatten, ihre Verkehrsnetz auch nach Südeuropa aus. Junkers beteiligte sich durch Einbringung von Verkehrsflugzeugen F 13 an Luftverkehrsgesellschaften in der Schweiz, in Österreich und in Ungarn und regte auch in Deutschland die Gründung mehrerer solcher Gesellschaften in Bayern, Sachsen, Schlesien und im Ruhrgebiet an. 1923 /24 schlossen sich die mit Junkersflugzeugen arbeitenden Gesellschaften in der Transeuropa- und Nordeuropa-Union zusammen, die sich 1925 wiederum zur Europa-Union vereinigten. Die Union arbeitete überwiegend mit F 13, auf den stark beflogenen Strecken wurden die ersten dreimotorigen G 24 für 12 Passagiere eingesetzt - eine Vorstufe der später berühmt gewordenen Ju 52/3m. Die Europa-Union hatte sich zum Ziel gesetzt, den Luftverkehr mit Hilfe eines Einheitstyps wirtschaftlich zu gestalten. Durch Einrichtung von standardisierten und miteinander verbundenen Reparaturstützpunkten in ganz Europa, die auch die Wartung übernahmen, sollten die Kosten minimiert werden.

Neben dem Junkers-Luftverkehr gab es in Deutschland nämlich noch eine zweite, vom Reich subventionierte Luftverkehrsgesellschaft, der Deutsche Aero-Lloyd. Beide lieferten sich einen knallharten Konkurrenzkampf, der nicht nur das Reich, sondern auch die beiden Gesellschaften teuer zu stehen bekam. Ende 1925 nutzte das Reich eine finanzielle Schwäche der Firma Junkers und übernahm 80% Aktien der Junkers-Luftverkehrsgesellschaft. Der Aero-Lloyd und Junkers wurden vereinigt und die Deutsche Luft Hansa gegründet. Auch deren Flugzeugpark wurde noch lange Zeit von der Firma Junkers dominiert.


F 13 im Dienste der Lufthansa
F 13 im Dienste der Lufthansa


Nicht nur in Europa wurden mit Hilfe des kleinen Verkehrsflugzeuges Luftverkehrsgesellschaften aufgebaut und betrieben, auch in Südamerika wurde die F 13 erfolgreich eingesetzt. Ein Jahr nach dem Erstflug wurde mit Hilfe der Schwimmerversion in Kolumbien ein Luftverkehr entlang dem Magdalenenfluss betrieben, der die Reisezeit der Passagiere enorm verkürzte und der Luftverkehrsgesellschaft bald zu wirtschaftlichem Erfolg verhalf. Auch in den anderen südamerikanischen Ländern breitete sich das Verkehrsflugzeug mit Hilfe zweier von den Junkerswerken organisierten Expeditionen aus. In Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay und Ecuador wurden erste Strecken mit F 13 betrieben.

In Bolivien wurde 1925 mit der F 13 ein Luftverkehrsnetz aufgebaut, das besonders hohe Anforderungen an das kleine Flugzeug stellte. Ein großer Teil der zu verbindenden Städte lag über 4000 m hoch, dazwischen mussten riesige Gebirgskämme von bis zu 6000 m überflogen werden. Das tropisch-heiße Tiefland war von Urwäldern bedeckt, dünn besiedelt und zum Teil noch unerforscht. Eine Notlandung kam einem Todesurteil gleich, selbst wenn man den Absturz überlebt hätte. Es gab nirgendwo ausgebaute Flugplätze, die Flugzeuge mussten ohne Hallen auskommen und Reparaturen im Freien ausgeführt werden. Diese enormen Herausforderungen waren zugleich eine große Chance. Nirgendwo in Südamerika gab es einen vergleichbaren Zeitgewinn, die Flugzeuge erreichten bald eine Auslastung von 100% und die Gesellschaft konnte einen kleinen Gewinn an ihre Aktionäre ausschütten.


F 13 in Brasilien
F 13 in Brasilien


Ebensolche Pionierleistungen wurden dem Flugzeug in anderen Gebieten der Erde abverlangt. In Russland erkundeten die F 13 Luftverkehrsstrecken von Moskau bis Teheran und über die endlosen sibirischen Waldgebiete hinweg bis nach Peking. Bis 1925 wurden ca. 85% des russischen Passagierluftverkehrs mit Flugzeugen vom Typ F 13 bestritten, erst nach und nach wurden sie von Flugzeugen sowjetischer Konstruktion abgelöst. Noch 1928 setzten die Russen eine F 13 zur Suche nach der Besatzung des Luftschiffes "Italia" ein, mit dem Umberto Nobile auf seiner Nordpolfahrt abgestürzt war.

Auch in Asien und Afrika wurde die F 13 eingesetzt. Der 1924 gegründete Junkers-Luftverkehr Persien begann seinen Flugbetrieb mit F 13, in China wurde 1926 mit einer F 13 die Strecke Shanghai - Peking eröffnet. Daraus entstand später die deutsch-chinesische Luftverkehrsgesellschaft "Eurasia".


F 13 der
F 13 der "Eurasia"


Die Verwendung der F 13 beschränkte sich nicht nur auf den Passagierluftverkehr. Sie wurde eine Zeitlang auch als Luftbild- und Schädlingsbekämpfungsflugzeug verwendet und rettete als Sanitätsflugzeug Menschenleben. Auf Ausflugsdampfern wurde sie als Bordflugzeug verwendet, der tschechische Schuhfabrikant Tomas Bata benutzte sie als Geschäftsflugzeug und der Missionar Pater Paul Schulte unternahm damit Missionsreisen in Afrika und Kanada.

Nur als Post- und Frachtflugzeug war die F 13 wenig geeignet, der Kabinenraum war für sperrige Güter zu klein. Deshalb entschloss man sich 1926 bei Junkers, zwei F 13 zu ganz speziellen Frachtflugzeugen umzubauen. Der Rumpf wurde etwas verlängert und flacher gehalten, auf Türen und Fenster an den Seiten wurde verzichtet und der Einstieg auf das Dach verlegt. Eine F 13 wurde mit dem neuentwickelten Junkers-Flugmotor L 5 ausgerüstet, die andere erhielt einen Bristol-Jupiter-Sternmotor. Aus diesen beiden Flugzeugen entstanden die erfolgreichen Typenreihen W 33 und W 34.


Prototyp der W 33
Prototyp der W 33


Mit der W 33 "Bremen" gelang am 12./13. April 1928 die erste Ost-West-Überquerung des Atlantiks, durchgeführt von den beiden Piloten Hermann Köhl und Major Fitzmaurice und begleitet vom Organisator des Fluges Freiherrn von Hünefeld.

Bis zum Jahre 1930 wurden in den Junkers-Flugzeugwerken in Dessau insgesamt 346 F 13 gebaut, wobei die höchstgebaute Stückzahl pro Jahr 75 Exemplare im Jahre 1924 war.

Im Jahre 1929 - also zehn Jahre nach ihrem Erstflug - waren Junkers F 13 noch in folgenden Ländern im Einsatz: Deutschland, Afghanistan, England, Estland, Finnland, Island, Italien, Japan, Argentinien, Bolivien, Bulgarien, China, Chile, Dänemark, Kolumbien, Litauen, Neuguinea, Österreich, Persien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Ungarn, USA, Yemen. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehrere F 13 die Betriebsstundenzahl von 3000 überschritten. Erst kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges stellte die Deutsche Lufthansa ihre letzten F 13 außer Dienst gestellt, die südamerikanische Luftverkehrsgesellschaft "Syndicato Condor" verkaufte 1939 ihre letzten Exemplare.




Zu besichtigen sind Junkers F 13 heute noch in folgenden Museen:
  • Verkehrsmuseum Budapest
    (WNr. 574, CH 59/66 - ehemals Ad Astra)
  • Technik-Museum Stockholm
    (Wnr. 715, SE-AAC, AB Aerotransport)
  • Paris: Musée de l'Air et de l'Espace
    (F 13 mit englischer Beschriftung, möglicherweise eine JL-6)
  • Deutsches Museum München
    (F 13, rekonstruiert aus einem in Afghanistan gefundenen Wrack)
  • Technikmuseum Berlin
    (Wrack einer F 13 aus Kanada, WN 2050, CF-ALX)
  • Luftfahrtmuseum Laatzen Hannover (Nachbau 1:1)
  • Albatros-Museum, Stuttgart Airport, Germany (Nachbau 1:1)


Weiterführende Infos:
Junkers Flugzeuge: Typ F 13

Am Anfang steht der "Blechesel": Die Junkers F 13



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9. Februar 2010

75. Todestag von Hugo Junkers
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