Ein Besuch bei der Junkers Ju 52 in Tatoi

Was verbindet man mit Athen? Selbstverständlich denkt man sofort an die Akropolis und Piräus. Für einen Ju 52 - Touristen wie mich gab es natürlich noch etwas Wesentliches zu besichtigen - ein Flugzeugmuseum mit einer Junkers Ju 52/3m!

Vor der Insel Leros wurde im Oktober 2003 von einer Spezialeinheit der Griechischen Luftwaffe eine Junkers Ju 52/3mg8e geborgen und in Tatoi gelagert. Recherchen ergaben, dass dort auch ein interessantes Flugzeugmuseum beheimatet ist.

Was lag daher näher, als einmal einen Trip nach Athen zu planen? Das Museum liegt ca. 30 km nordwestlich von Athen und ist per Bahn gut erreichbar. Mit dem damaligen Museumsleiter und Historiker Oblt. Dimitri Vogiatzis wurde Kontakt aufgenommen und für Mitte Juli 2005 das Treffen samt Besichtigung der „Tante Ju“ ausgemacht.

Zum vereinbarten Zeitpunkt traf ich Dimitri in Athen und wir fuhren dann ca. 15 Minuten nach Dekelia. Da sich das Museum auf dem militärischen Gelände des Luftwaffenstützpunktes Tatoi befindet, muss bei der Wache der Pass abgegeben werden. Vor der eigentlichen Besichtigung der Junkers Ju 52 wurden noch die zahlreichen im Freien und in der Halle abgestellten Flugzeuge begutachtet. Der Bogen spannt sich vom Doppeldecker über die DC 3 bis hin zu den Jets.

Dann kam der große Augenblick und ich stand vor der Ju 52/3mg8e mit der Werknummer 7607, Baujahr 1942. Sie lag 60 Jahre im Meer in einer Tiefe von ca. 40 Metern vor der Insel Leros. Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 waren auf der Insel Leros auch starke britische Kräfte stationiert, welche vermehrt die deutschen Versorgungswege zwischen dem griechischen Festland und Rhodos störten. Die Deutschen versuchten ab 12. November 1943 mit einer kombinierten Luft - und Seelandung die Rückeroberung der Insel, was wenige Tage später auch gelang. Im Zuge dieser Kampfhandlungen wurde die Maschine des II./TG 2 am 14.11.1943 abgeschossen und versank im Meer. Die sterblichen Überreste zweier Besatzungsmitglieder wurden nach der Bergung gefunden.

Ca. zwei Stunden lang erforschte, fotografierte und filmte ich die „Tante Ju“. Die Maschine repräsentiert ja eigentlich den Originalzustand von 1942, da ja wegen der Notwasserung nichts ausgebaut werden konnte. Ich staunte über den relativ guten Zustand. Sicherlich ist noch viel Arbeit zu investieren. Die rechte Tragfläche, die offensichtlich durch einen Motorenbrand teilweise zerstört wurde, konnte bereits von Korallen und Algen befreit werden. Durch das teilweise fehlende Wellblech hatte man einen guten Einblick auf die Konstruktion der Fläche. Die schwierigsten Aufgaben werden wohl die Wiederherstellung des Cockpits aber auch der Anbau des bei der Bergung abgerissenen Hecks samt Neuaufbau der Seitenflosse, sowie die Aufarbeitung der Motoren sein. Da ja das Armaturenbrett ausgebaut war, bekam man einen Einblick in das Innenleben samt den zahlreichen mechanischen Umlenkungen z.B. zur Motorensteuerung, für die Ölkühler etc.. Auf die Restauratoren wartet also noch viel Arbeit. Es werden viele Jahre vergehen, bis diese Ju 52/3m wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt.

Es war für mich ein ganz tolles Erlebnis und Gefühl, diese Maschine besichtigen zu können.

Oben

Heimo Stadlbauer

 

Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi
Junkers Ju 52 in Tatoi