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Sensation vor 80 Jahren:
Die erste Ost-West-Überquerung des Atlantiks
Nur knapp ein Jahr nach dem Aufsehen erregenden Alleinflug des Amerikaners Charles Lindbergh von
New York nach Paris gelang den Fliegern Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Freiherr Ehrenfried von
Hünefeld im April 1928 mit der Junkers W 33 "Bremen" die weitaus schwierigere Überquerung des Atlantiks
in umgekehrter Richtung. Heftige Gegenwinde zehrten am Benzinvorrat und Nebelwände behinderten die Sicht,
um ein Haar wäre das Flugzeug im Atlantik versunken...
Hermann Köhl, ehemaliger Nachtflugleiter und Verkehrsflieger der "Junkers Luftverkehrs AG", verfolgte die
bisherigen Versuche und wurde durch den Direktor der Junkers Flugzeugwerke, Gotthard Sachsenberg, in seinem
Vorhaben bestärkt, selbst einen Versuch zu wagen. Die Gelegenheit schien günstig, denn mit der Junkers W 33
wurde in den Dessauer Junkerswerken ein Flugzeugtyp entwickelt, der sich bei internationalen Flugvergleichen
schon bewährt hatte. Bei den Junkerswerken wurden nun zwei Flugzeuge dieses Typs mit zusätzlichen Treibstofftanks
ausgerüstet und der bestehende Dauerflug-Weltrekord mit 52,2 Stunden überboten.
Bei diesen Langzeit-Rekordflügen waren neben Köhl mehrere Werkspiloten sowie Ehrenfried Freiherr von Hünefeld aus
Bremen beteiligt, der das Vorhaben finanzierte. Am 14. August 1927 starteten die auf die Namen "Bremen" und "Europa"
getauften Maschinen von Dessau aus zum ersten Versuch einer Atlantiküberquerung. Die Flugzeuge gerieten in eine
Gewitterfront. Die "Europa" musste umkehren, landete bei Nacht auf dem Flughafen Bremen und ging zu Bruch. Köhl
und von Hünefeld in der "Bremen" kamen hinter Irland in starke Stürme und mussten abdrehen. Nach 22,5-stündigem
Flug landeten sie erfolglos, aber wohlbehalten wieder in Dessau.
Junkers'sche Tradition: Fehlschläge motivieren
Nach diesem Fehlschlag wurden sowohl Köhl als auch die Junkerswerke heftig von Fachleuten angegriffen. Die Zeit sei
noch nicht reif für solch ein Unternehmen, und die Technik noch nicht weit genug entwickelt. Von offizieller Seite
war keine Unterstützung zu erwarten.
Köhl und von Hünefeld verfolgten trotz dieses Fehlschlags ihr Ziel weiter. Von Hünefeld kaufte die "Bremen" und
ließ sie mit den damals neuesten Navigationsgeräten ausrüsten. Eine weitere W 33 wurde von ihm gechartert, mit
der Köhl Erprobungsflüge in Berlin-Tempelhof durchführte. Nach Abschluss des Blindflugtrainings wurde die "Bremen"
nach Berlin-Tempelhof geholt und startklar gemacht. Von dort aus startete Hermann Köhl mit Pilot Spindler und dem
im Flugzeug versteckten Hünefeld zu einem, wie auf der Flugwache angegeben, "Probeflug nach Dessau", der sie aber
nach Irland führte. Dort landeten sie auf dem Flugplatz Baldonnel bei Dublin. Von hier aus sollte der eigentliche
Ozeanflug beginnen.
An den Ort war auch schon eine kleine Hilfsmannschaft nebst Gerät und Treibstoff beordert worden. 14 Tage mussten
sie warten, bis der vom Regen aufgeweichte Flugplatz endlich abgetrocknet war und einen Start erlaubte. Der Kommandant
des Flugplatzes, Major James Fitzmaurice, hatte im Jahr zuvor schon einen Atlantikflug versucht, ihn aber wegen
ungünstiger Wetterbedingung abbrechen müssen. Köhl bot Fitzmaurice einen Platz in der "Bremen" an, den dieser
freudig annahm. Zweimal täglich bekamen sie Wetterberichte vom englischen Air Ministry und legten den Start auf den
12.April 1928 fest.
Start mit Hindernissen
Am Starttag herrschte völlige Windstille. Eigentlich hätte der Start verschoben werden müssen. Doch aufgrund der
Anwesenheit des Präsidenten der Irischen Republik, des deutschen Generalkonsuls, anderer Würdenträger und vieler
Schaulustiger entschloss sich Köhl, den Start trotz Windstille zu wagen. Allerdings mussten 100 kg Treibstoff
abgelassen werden, um vom Boden weg zu kommen - eine schwere Entscheidung angesichts der Unwägbarkeiten, die vor
den Fliegern lagen.
Um 5,38 Uhr startet die Maschine mit Köhl, Fitzmaurice und von Hünefeld. Nicht ohne Schwierigkeiten. Zuerst rannte ein
Schaf in die Startbahn; Fitzmaurice konnte durch Hochreißen der "Bremen" ein Unglück verhindern, dann sackte die Maschine
durch und kam mehrmals auf. Voraus lag ein Erdwall mit hohen Bäumen. Auch dieses Hindernis konnte durch Drücken und
kurz vor dem Hindernis wieder Hochziehen des Flugzeugs überwunden werden. Die "Bremen" streifte mit den Rädern noch
die Baumwipfel und sackte abermals durch, aber sie blieb in der Luft.
Die Männer überflogen Irland und erreichten den Ozean. 18 Stunden lang hatten sie recht günstiges Wetter, dann aber
erreichte sie der befürchtete Gegenwind. Da die Windstärke nach oben mit jedem Meter zunahm, flog die "Bremen" dicht
über dem Wasser. Bald kamen Wolken auf. Sie flogen in ein ausgedehntes Tief hinein, in dem sich der Sturm zu einem
Orkan entwickelte. Sie stiegen auf 2.400 Meter, gerieten in eine Nebelwand und gingen nach einiger Zeit wieder tiefer.
Jetzt, wieder dicht über dem aufgewühlten Meer, erkannten sie, wie ihre Maschine von dem fürchterlichen Orkan hin
und her gerissen wurde. Fast eine Stunde dauerte der Kampf mit den Elementen, dann brach auch noch die Nacht herein.
Ermüdender Nachtflug
Fast 7,5 Stunden konnten die Piloten nur nach Instrumenten ohne jede Sicht fliegen. Keinen Blick durften sie von den
Instrumenten nehmen, um Kurs und Lage des Flugzeugs beizubehalten. Müdigkeit machte sich bemerkbar. Dann tauchten
Sterne auf. Die "Bremen" stieg auf 2000 Meter. Köhl konnte den Polarstern für eine Kurskorrektur zu Hilfe nehmen und
steuerte Südwestkurs. Nach endlosen 9,5 Stunden Nacht zeigte sich der neue Tag.
Unter ihnen lag verschneites Land: Sie hatten Labrador erreicht! Stundenlang ging der Flug über ein in Eis und Schnee
erstarrtes Land. Keine Spur von Mensch oder Tier. Es begann zu schneien und wurde kälter. Nun trat die bange Frage auf,
ob sie sich vielleicht verflogen hatten oder der Kompass nicht mehr stimmte. Das verschneite Bergland hörte auf und
Fitzmaurice schrie plötzlich: "A boot, a boot!" - Es war ein Leuchtturm, der aus dem Dunst heraus ragte.
Sie umflogen ihn und erkannten auch das Leuchtturmwärterhaus und ein weiteres Gebäude, aus denen Menschen heraustraten.
Ein geeigneter Landeplatz schien ein vereister Weiher zu sein. Die "Bremen" setzte auf, rollte ein paar Meter, dann brach
das Eis und die Maschine machte einen Kopfstand. Außer dem verbogenen Propeller war kein Schaden entstanden. Das Flugzeug
wurde mit Seilen gesichert und später auf Planken gesetzt.
Glückliche Landung auf "Greeny Island"
Nach 36,5 Stunden war der Flug mit der Landung auf Greenly Island, einer kleinen, dem Festland von Labrador vorgelagerten
Insel, beendet. Eine Insel, die im April 1928 vollkommen unter Eis und Schnee lag, wo kein Baum stand und die von nur
14 Menschen bewohnt war. Die Flieger wurden gastlich vom Leuchtturmwärter aufgenommen und versorgt. Zwei Kilometer weiter
auf dem Festland befand sich eine Telegraphenstation, und von dort aus ging die Nachricht in alle Welt, dass der Atlantik
erstmals mit einem Flugzeug in der Ost-West-Richtung bezwungen war.
Die "Bremen" musste vorerst auf Greenly Island bleiben, weil keine Schneekufen für einen erneuten Start vorhanden waren.
Amerikanische Flieger holten die glückliche Besatzung ab und flogen sie nach New York, wo die Ozeanbezwinger mit einer
Konfettiparade stürmisch empfangen wurden. Der amerikanische Präsident Coolidge zeichnete sie als erste Ausländer mit
der höchsten Auszeichnung der amerikanischen Flieger aus, dem "Flying Cross".
Nach vielen Ehrungen in Washington, Boston, Detroit, St. Louis, Chicago und anderen Städten kehrten sie am 9. Juni 1928
mit dem Dampfer "Columbus" nach Europa zurück. Auch hier wurden ihnen viele Ehrungen zuteil, beginnend in der Hansestadt
Bremen, die moralisch und symbolisch zu diesem Erfolg beigetragen hatte.
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