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Bangkok, Berlin, Buenos Aires: Die Ju 52 in aller WeltIm Laufe der dreißiger Jahre machten neue technische und fliegerische Entwicklungen den Luftverkehr in Deutschland weit weniger wetterabhängig als noch in der schwierigen Aufbauphase zuvor. Doch im Ausland gab es manche Strecken, deren Betrieb nicht gerade Schönwetter-Fliegen bedeutete. Zu den wohl schwierigsten Strecken des Lufthansa-Verkehrsnetzes gehörte die Route zur einsamen afrikanischen Küstenstation Bathurst, auf der die Südamerika-Post zu den dort wartenden Flugbooten gebracht wurde: Die tropischen Klimabedingungen stellten extrem hohe Anforderungen an Mensch und Maschine.Auch die Fernverkehrsstrecke von Berlin über Athen, Bagdad und Teheran nach Kabul war wegen häufiger Sandstürme und wegen des heißen Klimas sehr viel schwieriger zu befliegen als die meisten europäischen Flugstrecken. In Südamerika überquerte die Ju 52 auf den Strecken Lima - La Paz und Santiago - Buenos Aires die hohen Bergketten der Anden: "Beide Gebirgsstrecken werden fast das ganze Jahr von plötzlich auftretenden, sehr heftigen Schneestürmen heimgesucht," berichteten die Junkers-Nachrichten, "doch ist bis heute noch niemals ein Flug mit der Ju 52 auf diesen Strecken ausgefallen, selbst wenn alle anderen ebenfalls dort fliegenden Gesellschaften für Tage ihren Betrieb einstellten." Das Streckennetz der in Gemeinschaft mit der Lufthansa arbeitenden brasilianischen Fluggesellschaft Syndicato Condor Ltda. hatte 1939 schon eine Ausdehnung von 15000 Kilometern erreicht. Es wurden 15 Flugplätze, mit Schwimmermaschinen und Flugbooten weitere 24 Seeflughäfen angeflogen. Die längste Strecke führte von Belem im hohen Norden Brasiliens über 15 Stationen bis zum 4230 Kilometer entfernten Rio de Janeiro. Die Ju 52 in SüdamerikaAuch zwei weitere brasilianische Fluggesellschaften flogen mit der Ju 52: Die VARIG erschloss den Luftverkehr im südlichsten Staat Rio Grande do Sul, und die VASP bediente neben ihrer Hauptstrecke Sao Paolo - Rio de Janeiro noch drei weitere Linien in das Innere des Landes. Von Buenos Aires aus flog die Aeroposta Argentina mit der Ju 52 die dünnbesiedelten Gebiete des Landes bis hinunter in das unwirtliche Feuerland an. Auch die Ölfelder von Comodoro Rivadavia konnten mit der Ju 52 auf dem Luftwege erreicht werden.Die Fluggesellschaft CAUSA in Uruguay betrieb mit zwei Ju 52 auf Schwimmern einen Pendelverkehr zwischen Montevideo und Buenos Aires. Diese "fliegenden Omnibusse" waren im Gegensatz zu den meisten Ju 52 nicht mit den üblichen verstellbaren Sesseln ausgestattet, sondern mit bequemen Bänken, auf denen 28 Passagiere Platz fanden. Die Hochlandstrecken Boliviens wurden von der Lloyd Aereo Boliviano beflogen, in Ecuador hatte die SEDTA ihre Flugdienste mit der Junkers W 34 aufgebaut und eröffnete 1938 mit der Ju 52 eine Strecke von Quito nach Guayaquil. Schon im Jahr 1919 war als erste Fluggesellschaft Südamerikas die deutsch-kolumbianische SCADTA gegründet worden, deren Flotte ausschließlich aus Junkers-Flugzeugen bestand, und dazu gehörte in den dreißiger Jahren natürlich auch die Ju 52. In Mexiko flog die Tante Ju in den Farben der Davis-Company als luxuriöse Reisemaschine des Präsidenten der Gesellschaft, aber auch als robustes Arbeitspferd für den Frachttransport. Natürlich war die Ju 52 auch auf dem afrikanischen Kontinent zuhause. Sie flog nicht nur bei den South African Airways, sondern auch in den portugiesischen Kolonien in Ost- und Westafrika. Geplant war damals eine durchgehende Flugverbindung rund um den schwarzen Kontinent. Sie sollte durch die Länder Südafrika, Deutsch-Südwestafrika, Portugiesisch-Westafrika, Belgisch-Kongo, Deutsch-Ostafrika und Rhodesien führen. Auch auf dem europäischen Kontinent machte die Ju 52 nicht nur bei der Lufthansa Karriere. Sie gehörte zu den Flottenbeständen fast aller großen Fluggesellschaften in Belgien, England, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Estland, in Italien, Ungarn, Rumänien, Griechenland und Spanien. Es gab kaum einen Flughafen in Europa, auf dem die Tante Ju nicht im flugplanmäßigen Linienverkehr zuhause war. Erst vom Krieg begraben: Die Asien-Pläne der LufthansaZu den wichtigsten Zielen der Lufthansa gehörte in den dreißiger Jahren zweifellos die Erschließung der Fernoststrecken. Schon im Jahr 1931 war die deutsch-chinesische Fluggesellschaft Eurasia Aviation Corp. gegründet worden. 1926 waren bereits zwei Junkers G 24-Maschinen der Lufthansa von Berlin nach Peking geflogen, und diese erfolgreiche Bewährungsprobe führte dazu, dass die Eurasia ihre Flotte in den Folgejahren ausschließlich mit Junkers-Maschinen aufbaute.Erstmals wurde dann im August 1934 eine Ju 52 auf der Südroute über Ägypten, Bagdad, Jodhpur, Bangkok und Kanton nach Shanghai überführt, und schon ab 1935 standen drei Ju 52 bei der Eurasia im Einsatz. Noch im Sommer desselben Jahres wurde bereits eine planmäßige Fernoststrecke eröffnet: Mit der Ju 52 flog die Lufthansa in fünf Tagesetappen die rund 10000 Kilometerlange Route von Berlin über Athen, Beirut, Bagdad, Basha, Karatschi, Jodhpur' Allahabad, Kalkutta und Rangoon bis nach Bangkok. Am 29. August 1934 startete eine Ju 52 in Berlin unter Führung des Freiherrn von Gablenz zu einem Erkundungsflug, der über Shanghai hinaus bis nach Tokio führen sollte. Es war kein Rekordflug geplant, sondern die Tagesetappen wurden auf 1800 bis 2000 Kilometer begrenzt. Nach über 14000 Kilometern Strecke näherte sich die Ju 52 am 6. September 1934 von Nanking kommend der Stadt Shanghai: "Wir hatten viele Chinesen mit, die den Instrumentenflug noch nicht kannten", erzählte Freiherr von Gablenz. "In Shanghai stand uns ein sehr guter Peiler zur Verfügung, der von einem deutschen Eurasia-Funker errichtet war, so dass wir dort sofort auf sichere Funkhilfe rechnen konnten. Wir gingen sofort nach dem Start über die Wolken und kamen erst bei den großen Fischteichen genau vor Shanghai wieder aus dem Dreck heraus." Nach der Landung sackte allerdings die Maschine im durchweichten Flugplatz ein, und sie konnte nur mit Hilfe von Kulis wieder befreit werden: "Als wir unsere brave Ju 52 aus dem Dreck heraus und vom alten auf den neuen Flugplatz gebracht hatten, waren wir heilfroh." Pionierflug nach ChinaSelbst von den Konkurrenz-Fluggesellschaften wurde dieser Pionierflug nach China, aber auch die überall durchgeführten Rundflüge mit großer Achtung gewürdigt. Wie Freiherr von Gablenz berichtete, bestätigte ihm der Direktor eines dieser Unternehmen, dass dies "nicht nur eine Reklame für uns, sondern für die ganze zivile Luftfahrt" gewesen sei. Nach einem Etappenflug über 16500 Kilometer erreichte die Ju 52 schließlich die japanische Hauptstadt Tokio in einer Gesamtflugzeit von 71 Stunden und 25 Minuten.Im Sommer 1936 erkundeten Lufthansa-Piloten dann die Routenführung über Zentralasien, und eine Ju 52 überflog dabei die riesigen Gebirgsmassive des Hindukusch und des Pamir. Immer weiter drangen die Lufthansa-Piloten auf ihren Pionierflügen vor, denn als Fernziel war beabsichtigt, das inzwischen wachsende Liniennetz der Eurasia mit dem europäischen Luftverkehr direkt zu verbinden. Nach der zweiten Pamir-Expedition vom Sommer 1937 rückte dieses Ziel schon in greifbare Nähe, und ab 1938 konnte dann die von Berlin über Athen und Bagdad nach Teheran führende Strecke schon bis Kabul verlängert werden. Die Ziele der Erkundungsflüge wurden immer weiter gesteckt: Genau einen Monat lang, vom 22. April bis 22. Mai 1939 dauerte der erste Flug einer Ju 52 von Berlin nach Japan. "Bei den Zwischenlandungen in Fukuoka auf Kiuschiu und Taihoku auf Formosa wurden die Flieger von den städtischen Behörden und der Bevölkerung aufs herzlichste begrüßt", schrieb damals die Fachzeitschrift "Flugsport". Es gab in diesem Jahr noch einen Japan-Flug, der bis nach Tokio führte: Im Anschluss an den Liniendienst Berlin-Bangkok vom 8. bis 13. August 1939 flog die Ju 52 weiter bis in die japanische Hauptstadt und übernahm am 24. August wieder den nächsten planmäßigen Rückflug von Bangkok nach Berlin. Aber in Europa war inzwischen der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Die hochfliegenden Pläne der Lufthanseaten hatten keine Zukunft mehr. Damit war aber auch eine ganze Ära des Luftverkehrs zu Ende gegangen, die große Ära der Tante Ju. |
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