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Geburtsstunden eines Mythos: Die Ju 52

Der frühe Luftverkehr war ein Zusatzgeschäft. Nur massive staatliche Subventionen erhielten die Fluglinien am Leben. Hugo Junkers hatte jedoch höhere Pläne. Die hervorragenden Erfahrungen mit der Typenreihe von der F 13 über die W 33 bis zur G 31 hatten gezeigt, dass nicht nur der Passagierverkehr, sondern auch der Transport von Gütern eine große Zukunft hatte.

Seine Experten und ihn beschäftigte daher immer wieder der Gedanke, ein neues Spezial-Frachtflugzeug zu entwickeln: "Junkers wollte schon damals einen eigenwirtschaftlichen internationalen Luftfrachtverkehr aufbauen", erinnerte sich sein Konstruktionschef Ernst Zindel. "Wie es sich zeigte, war er mit dieser Idee der allgemeinen Entwicklung um einige Jahre voraus."

Im Jahr 1930 also entschloss sich Junkers daher zur Entwicklung einer neuen Maschine, die in erster Linie als Frachtflugzeug, darüber hinaus aber auch für den Passagiertransport geeignet sein sollte. "Da Junkers bei einem eigenwirtschaftlichen Luftfrachtverkehr besonders an die technisch und verkehrsmäßig noch wenig erschlossenen Länder und Kontinente dachte", so berichtete Ernst Zindel später, "mussten besonders hohe Anforderungen gestellt werden." Und dazu gehörten Zuverlässigkeit, Einfachheit in der Wartung, kurze Start- und Landestrecken und gute Flugeigenschaften. Für den Passagierverkehr waren zudem noch die Forderungen nach Sicherheit, guten Flugleistungen und Komfort zu erfüllen. Es war wie die Quadratur des Kreises: Für den Frachteinsatz schien ein einmotoriges Flugzeug die wirtschaftlich beste Lösung zu sein, für den Passagiereinsatz wollte man aber aus Sicherheitsgründen drei Motoren haben.

Vor allem als Frachtflugzeug geplant

Das war die Geburtsstunde der Ju 52. Am 11. September 1930 startete sie zum Erstflug, zunächst in der einmotorigen Ausführung mit einem 685 PS starken BMW VII. "Entsprechend den Erfahrungen im Frachtverkehr", schrieb Ernst Zindel, "wurden zur Verladung großer Frachteinheiten besonders große Ladeöffnungen in den Seitenwänden (zum Verladen von der Plattform aus) wie in der Decke (Beladung mittels Kran von oben; besonders wichtig für Seeflugzeuge!) vorgesehen." Wie alle anderen Junkers-Typen vorher, sollte auch die Ju 52 sowohl auf Rädern als auch auf Schwimmern eingesetzt werden können.

Von der einmotorigen Ju 52 wurden allerdings nur wenige Exemplare gebaut. Es zeigte sich sehr schnell, dass dieser neue Typ ganz entgegen der ursprünglichen Absicht vor allem als Passagiermaschine gefragt sein würde. Aber die Konstrukteure hatten vorgesorgt und die Struktur von Anfang an so ausgelegt, dass auch in den Flügeln Motoren eingebaut werden konnten. So entstand schon wenige Monate später, im Frühjahr 1931, eine neue Version mit der Bezeichnung Ju 52/3m (für dreimotorig), und dieser Typ sollte zum berühmtesten der ganzen Junkersgeschichte werden.

Die drei luftgekühlten Sternmotoren des Typs BMW 1 32A mit ihrer Startleistung von je 660 PS trieben die Ju 52 zu einer Höchstgeschwindigkeit von 270 Stundenkilometern. Bei reduzierter Geschwindigkeit von 230 Stundenkilometern konnte sie mit 2000 Kilogramm Nutzlast eine Strecke von 1400 Kilometern zurücklegen. Um besonders kurze Start- und Landestrecken zu erzielen, hatte Junkers in der Ju 52 eine technische Neuerung eingeführt, die sich außerordentlich bewährte - den typischen Junkers-Doppelflügel.

Erfolg in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

Bei aller Befriedigung über den auf Anhieb gelungenen Entwurf der Ju 52 hatte Hugo Junkers in dieser Zeit allerdings erhebliche Sorgen. Die Weltwirtschaftskrise machte auch vor der Entwicklung des Luftverkehrs nicht halt, und die Junkers Flugzeugwerk AG steckte in ernsthaften finanziellen Problemen. Die Zahlungsunfähigkeit eines großen Kunden, der Borsig-Werke, verschärfte die Situation, und die Junkers Flugzeugwerk AG kämpfte ums Überleben.

Die neue Ju 52 wurde zum Schicksalsflugzeug für Hugo Junkers. Eine Wende zeichnete sich ab, als schon 1932 die Lufthansa die ersten Maschinen übernahm. Und im selben Jahr ging die Ju 52 beim Alpenrundflug während des Züricher Flugmeetings als Sieger gegen die scharfen Konkurrenten Dornier Do K3 und Fokker F XII hervor. Wie sicher und stabil die Ju 52 selbst in Extremfällen war, musste sie schon beim Rückflug von Zürich auf dramatische Weise unter Beweis stellen: Nördlich von München wurde sie in der Nähe des Flugplatzes Oberschleißheim von einem Schuldoppeldecker Udet U 12 "Flamingo" frontal gerammt, aber trotz erheblicher Schäden am Rumpf, am Fahrwerk und am Leitwerk blieb die Ju 52 noch kontrollierbar, und Flugkapitän Willy Polte konnte sie auf freiem Feld notlanden.

Die Qualitäten der "Tante Ju" sprachen sich schnell herum: Immer mehr Aufträge kamen aus dem In- und Ausland herein. Jetzt stand Junkers vor dem Problem, die Serienproduktion so wirtschaftlich wie möglich zu organisieren. Ernst Zindel schrieb, dass Junkers "die Möglichkeiten einer genauen Arbeitsplanung für dieses komplizierte Fertigungsobjekt klar erkannt und ein zwangsläufiges Taktverfahren in den modernen Flugzeugbau eingeführt" habe. Die Ju 52 wurde zum ersten Großserienflugzeug der Welt.


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9. Februar 2010

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