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Junkers Bosch

Verkehrsflugzeuge

Sofort nach dem Ende des ersten Weltkrieges stellte Prof. Junkers ein Flugzeugbauprogramm auf, dessen Verwirklichung in den kommenden Jahren den Weltluftverkehr entscheidend beeinflussen sollte.

Er begann mit dem Bau eines mittelgroßen Verkehrsflugzeuges, für das die im Krieg weiter entwickelten und richtungsweisenden Konstruktionsprinzipien übernommen wurden: Die Ganzmetallbauweise sowie der dicke, selbsttragende Flügel in Tiefdeckeranordnung.

Am 25. Juni 1919 stand das erste "reine" Verkehrsflugzeug der Welt, die Junkers F 13, zum Probeflug bereit. Es konnte bis zu fünf Passagiere befördern. Die geschlossene, mit Bequemlichkeiten ausgestattete Kabine war damaliger Spitzenkomfort. Die Tiefdeckerbauweise bot größtmöglichen Schutz bei etwaigen Bruchlandungen, weil in solchem Fall das robust gebaute Tragflächenmittelstück den Hauptteil der Aufprallenergie auffing und die darüber liegende Kabine vor schweren Zerstörungen bewahrte. Als Ganzmetallflugzeug, das wahlweise mit Rädern, Schwimmern oder Schneekufen ausgestattet werden konnte, war die F 13 in allen Gegenden der Welt einsetzbar.

Diese zukunftsweisende Konzeption bestätigte sich in den kommenden Jahren auf beeindruckende Weise. Mitte der zwanziger Jahre dominierten Junkers F 13 im Weltluftverkehr. Ihre Einsetzbarkeit beschränkte sich nicht nur auf den Passagierflugverkehr, sie wurden auch als Geschäfts-, Sanitäts- und Privatreiseflugzeuge angeboten. Noch im Jahre 1932 wurden mehrere Exemplare dieses Typs produziert.

Im Jahre 1926 brachten die Junkerswerke die W 33 und W 34 als Weiterentwicklung der F 13 heraus. Diese beiden Typen waren ursprünglich für den Wettbewerb "Deutscher Seeflug 1926" in Warnemünde durch den Umbau zweier F 13 entstanden, wovon die eine mit dem neuentwickelten Junkers-Motor L 5 (W 33) und die andere mit einem luftgekühlten Sternmotor "Bristol Jupiter" (W 34) ausgestattet war. In der Serienproduktion wurde die Kabine zu einem geräumigen Laderaum umgestaltet, der vielseitig genutzt werden konnte. Neben dem Einsatz als Frachtflugzeug wurden in den kommenden Jahren durch entsprechende Einbauten die Verwendungsmöglichkeiten auf Sanitäts-, Schädlingsbekämpfungs-, Luftbild- sowie kombinierte Passagier- und Frachtflugzeuge ausgedehnt. Im Jahre 1932 entstand daraus durch geringe Veränderungen das Katapultflugzeug Ju 46.

Frühe Pläne für Großflugzeuge

Schon frühzeitig widmete sich Junkers der Verwirklichung seines Planes zum Bau von Großverkehrsflugzeugen; denn er hatte erkannt, dass nur mit der Beförderung von großen Nutzlasten über weite Entfernungen die Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs zu erreichen war. Bereits im Jahre 1920 begann in Dessau nach mehreren Entwürfen der Bau eines Großverkehrsflugzeuges. Die Arbeiten mussten jedoch infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrages abgebrochen werden. Erst im Jahre 1923 konnte der Bau des ersten dreimotorigen Verkehrsflugzeuges (G 23/G 24) beginnen.

Mit den weiterhin bestehenden Baubeschränkungen (Begriffsbestimmungen) waren der Motorleistung und der mitzuführenden Nutzlast jedoch relativ eng gezogene Grenzen gesetzt. Der bei der "interalliierten Luftfahrt-Überwachungskommission" (Ilük) eingereichte Antrag auf Zulassung der G 24 mit drei Junkers-Motoren L 2 von je 143 kW (195 PS) wurde abgelehnt; nur eine schwächer motorisierte Version mit einem Junkers-Motor L 2 und zwei Merceces-Triebwerken DIIIa von insgesamt 378 kW (515 PS) wurde am 8. Februar 1925 genehmigt.

Da mit dieser Motorleistung nur eine Reisegeschwindigkeit von 150 km/h erreicht werden konnte, wurde der überwiegende Teil der im Jahre 1925 produzierten G 23 den der Junkers-Luftverkehrsgesellschaft "Europa-Union" angehörenden ausländischen Luftverkehrsgesellschaften "A. B. Aerotransport" (Schweden) und "Ad Astra Aero" (Schweiz) überschrieben und zumeist durch Umrüstung auf drei Triebwerke L 2 in G 24a verwandelt. Noch im gleichen Jahr richtete Junkers im Limhamn (Schweden) ein Zweigwerk ein, in dem diese Motorenumrüstungen bis zur Aufhebung der Begriffsbestimmungen serienmäßig vorgenommen wurden.

Mit Vielseitigkeit gegen die Konkurrenz

Die G 23/G 24 war als Passagierflugzeug gebaut worden und sollte auf stark frequentierten Strecken des Junkers Luftverkehrs die F 13 ersetzen. Durch den Verlust der hauseigenen Luftverkehrsgesellschaft "Junkers Luftverkehr A. G." Ende 1925 war der Absatz dieses Verkehrsflugzeugmusters eingeschränkt, denn die im Januar 1926 gegründete "Deutsche Luft Hansa A. G." (Lufthansa) bezog ihre Flugzeuge auch von anderen deutschen Flugzeugbaufirmen.

Um den Abnehmerkreis zu vergrößern, waren die Junkers-Werke gezwungen, ihre Herstellungskonzeption zu ändern und vielseitig verwendbare Flugzeuge zu konstruieren. Im Jahre 1926 entstand das Großverkehrsflugzeug G 31; es war als kombiniertes Passagier- und Frachtflugzeug ausgelegt und konnte durch die Herausnahme der Trennwände zwischen den drei Passagierkabinen auch als Frachtflugzeug mit großem Laderaum eingesetzt werden. Die Sitze waren für Nacht- und Sanitätsflüge gegen Betten austauschbar. Große Bedeutung erlangte dieser Typ im Jahre 1931 als Frachtflugzeug in Australien, wo drei Exemplare pro Monat bis zu 450 t Fracht beförderten.

Der nächste Schritt zur Verwirklichung des Großverkehrsflugzeuges war der Bau des damals größten Landflugzeuges der Welt, der Junkers G 38. Dieser Luftriese war ursprünglich als Langstreckenflugzeug zur kombinierten Fracht- und Personenbeförderung konstruiert worden. Beim praktischen Einsatz auf den Strecken der Lufthansa erwies sich jedoch die Passagierversion als zweckmäßiger, weshalb das Flugzeug aufgestockt und damit die Zahl der Sitzplätze von 19 auf 30 erhöht wurde. Die zweite G 38, die noch gebaut wurde, war von Anbeginn für 34 Passagiere ausgestattet.

Höhenforschung für Junkers' Höhenflug

Darüber hinaus beschäftigten sich die Dessauer Konstrukteure mit dem Bau eines Höhenforschungsflugzeuges, der Ju 49. Dieses Flugzeug galt als Vorentwicklung eines Fern- und Schnellverkehrsflugzeuges für Flüge in großer Höhe und diente sowohl der Entwicklung als auch der Erprobung technischer Voraussetzungen für eine solche Konstruktion.

Die Steigerung des Post- und Frachtverkehrs erforderte Ende der zwanziger Jahre ein wirtschaftliches Frachtflugzeug. Bereits im Jahre 1928 hatte die Lufthansa begonnen, aus einigen G 24 die Seitenmotoren auszubauen. So entstand aus der G 24 die Frachtversion F 24. Diese Lösung befriedigte jedoch nicht, und die Dessauer Flugzeugbauer suchten nach prinzipiell neuen Wegen.

Aus der Vergrößerung der W 33 entstand die einmotorige Ju 52. Da inzwischen auch ein Ersatz für die überalterten Typen G 24 und G 31 notwendig geworden war, wurde eine dreimotorige Version als Passagierflugzeug, die Ju 52/3m, von vornherein eingeplant. Während die einmotorige Ju 52 infolge der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen Rückgang des Luftfrachtaufkommens kaum Abnehmer fand, wurde die vielseitig einsetzbare Ju 52/3m zum erfolgreichsten Verkehrsflugzeug der dreißiger Jahre.

Als letztes Verkehrsflugzeug zu Lebzeiten von Prof. Hugo Junkers entstand das Schnellverkehrsflugzeug Ju 60, das erste seiner Art aus Dessau, für das Glattblech zur Rumpfverkleidung verwendet wurde, wodurch die Fluggeschwindigkeit erhöht werden sollte. Es wurde jedoch nur in zwei Exemplaren gebaut und erlangte keine sonderliche Bedeutung.