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Junkers Bosch

Militärflugzeuge für den Export

Vielseitigkeit als Verkaufskonzept: Ein Grundsatz der Junkers-Flugzeugentwicklung war es, dass ihre Konstruktionen möglichst vielseitig einsetzbar waren. Das verhalf dazu, den Flugzeugbau wie auch den Luftverkehr wirtschaftlich zu gestalten und breit gefächerten Käuferinteressen zu entsprechen.

Bei der Konstruktion von Zivilflugzeugen wurde deshalb oft von vornherein auch die mögliche militärische Verwendbarkeit berücksichtigt. Da jedoch seit dem Ende des ersten Weltkriegs die Verwendung als Verkehrsflugzeug im Vordergrund stand, waren die Militärflugzeuge meist nur Kompromisslösungen und fanden kaum Absatz.

Im Jahre 1922 errichteten die Junkers-Werke in Fili bei Moskau ein Zweigwerk zur Herstellung von Militärflugzeugen für die Sowjetunion. Um mit der dortigen Produktion möglichst rasch beginnen zu können, wurden in aller Eile aus dem Sportflugzeug T 19 die Jagdflugzeuge J 21 und J 22 entwickelt, wovon jedoch die J 22 im Prototypenstadium steckenblieb. Für die sowjetische Marine wurde aus dem Seeaufklärer J 11 eine verbesserte Version, die Ju 20, gebaut, die unter der Bezeichnung R 02 auch in andere Länder exportiert wurde.

Standort Limhamn

Gleichfalls im Auftrag der sowjetischen Regierung wurde aus dem Verkehrsflugzeug G 24 der Bomber K 30 entwickelt. Da eine Fertigung dieses Großflugzeuges in Fili nicht möglich war, wurde im Jahre 1925 in Limhamn (Schweden) ein weiteres Zweigwerk errichtet, das von nun an die Herstellung der Militärflugzeuge übernahm.

Von den in Limhamn gebauten Militärversionen kann nur die K 30 als Erfolg angesehen werden, sie wurde in 34 Exemplaren gebaut und überwiegend an die Sowjetunion geliefert. Dort wurde sie unter der Typenbezeichnung JuG-1 auch als Expeditions- und Frachtflugzeug verwendet.

Die übrigen in Limhamn umgerüsteten Flugzeuge waren Versionen von in Dessau gebauten Post- und Kurierflugzeugen und sollten als bewaffnete Aufklärungsflugzeuge eingesetzt werden. So entstand aus der W 34 der Kampfzweisitzer K 43, der später auch mit zwei Gefechtsständen angeboten wurde. Aus dem Kurierflugzeug A 32 wurde der leichte Bomber K 38 entwickelt, der jedoch keinen Absatz fand. Gleichzeitig mit dem Luftbildflugzeug S 36 wurde der zweimotorige Aufklärer K 37 konstruiert, der in den dreißiger Jahren in Japan in mehreren Exemplaren nachgebaut wurde. Eine Ausnahme bildet die K 47, die speziell als Jagdzweisitzer entwickelt worden war, aber nicht auf die erwartete Nachfrage stieß und deshalb auch als kunstflugtaugliches Sportflugzeug angeboten wurde.

Als militärischer Nachbau eines Verkehrsflugzeuges ist noch die Lizenzherstellung der G 38 in Japan erwähnenswert. Sie wurde dort unter der Bezeichnung Ki 20 in sechs Exemplaren produziert und war bis 1936 bei den japanischen Fliegerkräften im Einsatz.