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Junkers Bosch

Flugzeuge des ersten Weltkrieges

Die Vorversuche für den Bau des ersten Junkers-Flugzeuges waren bereits in vollem Gange, als der erste Weltkrieg begann. Der gesamte deutsche Flugzeugbau musste sich auf die Kriegsbedingungen einstellen und sich den Forderungen der Heeresverwaltung anpassen, um Flugzeuge herstellen und verkaufen zu können.

Prof. Junkers versuchte allen Widrigkeiten zum Trotz auch während der Kriegsjahre, seine Idee vom freitragenden, verspannungslosen Ganzmetallflugzeug zu verwirklichen. Dabei gelang es ihm innerhalb von nur vier Jahren, vom Flugzeugbau-Neuling bis zur flugzeugtechnischen Weltspitze vorzudringen. Mit den in dieser Zeit entwickelten Flugzeugtypen J 1 bis J 11 wurden bereits alle wesentlichen Merkmale herausgearbeitet, die für den Junkers-Flugzeugbau der Nachkriegsjahre kennzeichnend wurden: freitragende Ganzmetallbauweise, dicker Flügel, Tiefdeckeranordnung und tragende Wellblechhaut.

Bereits das im Jahre 1915 fertig gestellte Versuchsflugzeug J 1 aus Eisenblech revolutionierte den Flugzeugbau grundlegend. Es war das welterste flugfähige, verspannungslose Ganzmetallflugzeug. Bei den Versuchsflügen im Januar trat jedoch ein gravierender Konstruktionsmangel des Mitteldeckers zutage: die Verbindung der Tragflächen mit dem Rumpf. Der Pilotensitz im Rumpfvorderteil unterbrach die durchgehende Verbindung der Flügel und ein Flügel knickte bei der Landung ab.

Für das Nachfolgemuster J 2 wurde deshalb der Flügelanschluss verändert. Durch die Verlegung des Flügelanschlusses nach außen ergab sich eine Dreiteilung des Gesamtflügels. Vier Kugelschrauben verbanden die Außenflügel mit dem im Rumpf integrierten Flügelmittelstück.

Zu schwer fürs Militär

Diese beiden ersten von den Junkerswerken entwickelten Flugzeugtypen zeichneten sich bereits durch eine gelungene Formgebung und überlegene Geschwindigkeit aus, entsprachen jedoch nicht den Anforderungen, die die militärische Praxis inzwischen an ein Jagdflugzeug stellte: Es musste vor allem schnell steigen können. Im Steigflug war das Metallflugzeug dem Holz-Stoff-Flugzeug jedoch unterlegen.

Prof. Junkers und seine Mitarbeiter standen nun vor einer neuen Herausforderung: Die Flugmasse musste gesenkt werden, um die Steigleistung zu erhöhen. Das schwere Eisenblech musste durch ein wesentlich leichteres Metall ersetzt werden. Der leichteste Metallbaustoff, der damals zur Verfügung stand, war das von den Dürener Metallwerken entwickelte Duralumin.

Die Verwendung des Duralumins ermöglichte und forderte die vollständige Umkonstruktion des Flugzeuges. Das geringe spezifische Gewicht erlaubte eine größere Wandstärke der Außenhaut, die zu einer knickfesten Wellblechhaut mit Wellen in Flugrichtung umgestaltet wurde. Der Bau des ersten in Duralumin ausgeführten Flugzeuges, der J 3, blieb jedoch unvollendet, da den Junkerswerken für dieses Muster keine Aufträge erteilt wurden und damit die finanziellen Mittel fehlten.

Fliegende Panzer

Der erste Weltkrieg war inzwischen vom Bewegungs- zum Stellungskrieg übergegangen und das Militär verlangte nach einem beschusssicheren Infanterieflugzeug, das eine Luftverbindung zwischen den einzelnen Stellungen ermöglichen sollte. Die Heeresleitung besann sich deshalb auf die Metallflugzeuge von Prof. Junkers und bot der inzwischen gegründeten Junkers-Fokker-Aktiengesellschaft einen Großauftrag für ein gepanzertes Flugzeug an. Die Panzerwanne, die die Besatzung vor Beschuss vom Boden aus schützen sollte, erforderte durch ihre hohe Masse eine Abkehr von der Eindeckerbauweise. Der so entstandene Anderthalbdecker J 4 ermöglichte andererseits einen weiteren Fortschritt im Flugzeugbau: den durchgehenden Flügel als kräfteaufnehmendes und -verteilendes Element in Duraluminbauweise.

Bei den nachfolgenden Dessauer Flugzeugtypen sind alle vorausgegangenen Erfahrungen berücksichtigt worden. Der konstruktiv ausgereifte Jagdeinsitzer J 7 bildete den Endpunkt der Junkers-Flugzeugentwicklung des ersten Weltkrieges. Die nachfolgenden Typen J 8 bis J 11 waren nur noch Variationen dieser Grundkonstruktion. Die zweisitzige Ausführung J 8 hatte einen längeren Rumpf und eine größere Spannweite. Der Jagdeinsitzer J 9 und das zweisitzige Schlachtflugzeug J 10 waren die Serienausführungen der Prototypen J 7 und J 8, und aus der J 10 wurde gegen Ende des ersten Weltkrieges als letztes Flugzeug dieser Reihe die Schwimmversion J 11 entwickelt.