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Junkers Bosch

Lufthansa Junkers Ju 52

Den wohl interessantesten Lebenslauf hat die Ju 52, welche sich die Lufthansa zu ihrem 60. Geburtstag geschenkt hat. Die Geschichte der Maschine beginnt 1947 in der Horten Flyfabrik in Norwegen, als sie aus den Einzelteilen von mindestens drei Ju 52 während einer Grundüberholung zusammengebaut wird.

Der Rumpf stammt von einer Ju 52/3m g8e aus dem Jahre 1943, einem Schwimmerflugzeug der Seetransportstaffel 2 mit dem Kennzeichen 8A+?K und der Werknummer 130714 und die rechte Tragfläche von einer Ju 52/3m g6e, WNr. 2982 mit dem Stammkennzeichen NO+IO der 3./T.Gr. 20. Dazu kommen Baugruppen weiterer Maschinen. Nach dem Abschluss der Arbeiten wird die Junkers 1948 als LN-KAF "Askeladden" der Fluggesellschaft D.N.L. wieder zugelassen.

Dieses Kennzeichen hatte zuvor bereits eine Ju 52/3m ge (WNr. 5489) getragen, die 1935 als D-AQUl "Fritz Simon" an die Lufthansa geliefert worden war. Später wurde sie als LN-DAH an die D.N.L. nach Norwegen verkauft, kam während des zweiten Weltkriegs wieder als D-AQUI zur Lufthansa und nach Kriegsende als LN-KAF erneut zur D.N.L. Bei der Grundüberholung sind auch Teile dieser Maschine wieder verwendet worden. Bis 1956 versah die nun neue LN-KAF wieder ihren Liniendienst, dann wurde sie ausgemustert und dem Technischen Museum in Oslo angeboten. Da das Museum aus Platzmangel ablehnte, verkaufte man die Ju 52 mit 20 Tonnen Ersatzteilen nach Ecuador, wo sie nun als HC-ABS "Amazonas" nicht nur Gold und Fleisch transportiert hoben soll. 1963 in Rio Japura endgültig abgestellt, erwarb 1970 der Amerikaner Lester Weaver die Junkers, ein Friseur aus Illinois, der früher Bomber und andere schwere Maschinen geflogen hatte.

Bevor er jedoch die nun als N130LW zugelassene Junkers wieder starten konnte, war erst einmal eine fünfmonatige Überholung fällig und aufgrund des schlechten Zustandes dauerte die Überführung in die USA dann auch acht Tage aufgrund der vielen erforderlichen Zwischenstopps. 1974 kaufte sie der Schriftsteller Martin Caidin und ließ bis 1976 eine gründliche Revision durchführen. Dabei wurden Pratt & Whitney "Wasp" Motoren und das Fahrwerk einer Curtiss C-46 eingebaut. Als N52JU "Iron Annie" tauchte die Junkers nun als Teil der Flotte der "Confederate Air Force" auf unzähligen Flugtagen auf, bis 1984 die nächste, teure Überholung fällig war. Da die Lufthansa gerade eine flugfähige originale Ju 52/3m für ihr geplantes Jubiläum zum 60. Gründungstag suchte, war der Verkauf schnell perfekt.

Zum letzten Mal packte Caidin der Ehrgeiz, denn die Ju 52 sollte der Lufthansa in Hamburg flugfähig übergeben werden. Das Unternehmen war eigentlich ein Pionierflug, denn eine Nordatlantiküberquerung mit einer Ju 52 in West-Ost-Richtung hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Die Vorbereitung war entsprechend sorgfältig. Neben dem Einbau von großen Zusatztanks und einer Notausrüstung wurde eine erfahrene Besatzung angeheuert. Das Wagnis gelang. Nach mehreren Etappen über Labrador, Grönland, Island und Schottland landete die Ju 52 schließlich am 28. Dezember 1984 in Hamburg. Selbst ein Motorausfall über Kanada konnte die Reise nur unterbrechen, aber nicht stoppen.

Als die Lufthansa ihre Neuerwerbung dann in der Hamburger Werft schließlich zerlegte, waren die Mechaniker erst einmal entsetzt. Durch das feuchtheiße Klima in Südamerika und ein unfreiwilliges Bad beim Verladen 1956 im Hafen von Oslo waren verheerende Korrosionsschäden aufgetreten. Die für die Restaurierung veranschlagten Kosten verzehnfachten sich. Doch Begeisterung, Phantasie und Einfallsreichtum der Lufthanseaten waren so groß, dass die Junkers nach der über ein Jahr dauernden Grundüberholung besser als neu wiederauferstand. Mit einer modernen Ausrüstung und originalgetreuem Aussehen fliegt die offiziell als D-CDLH zugelassenen Maschine seit 1. April 1986 wieder mit dem aufgemalten Kennzeichen D-AQUI "Berlin-Tempelhof". Aus Lärmschutzgründen sind die Zweiblattpropeller inzwischen durch Dreiblattluftschrauben ersetzt worden. Betreiber dieses Traditionsflugzeugs ist die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung.